Bericht

Sprachliche Bildung und Sprachförderung in der Kindertagesbetreuung in Brandenburg

18.12.2015

Sprachstandsfeststellung - kompensatorische Förderung - Sprachberatung




Titelseite der Handanweisung
Titelseite der Handanweisung
© verlag das netz
Sprachlicher Bildung und Sprachförderung in der Kindertagesbetreuung wird in Brandenburg nicht erst seit PISA oder der Einführung des „Landesprogramms zur Sprachstandsfeststellung und Sprachförderung im Jahr vor der Einschulung“ im Jahr 2006 hohe Bedeutung zugemessen. Dieses Programm und die begleitenden bzw. anschließenden Vorhaben auf Landes-, kommunaler und Trägerebene (sowie später auch die des Bundes) haben aber sicher ihren Beitrag dazu geleistet, die Bedeutung einer frühen sprachlichen Anregung über den Kita-Bereich hinaus auch nachhaltig in die öffentliche und politische Diskussion zu tragen.
Seit 2006 also nehmen alle Kinder im Jahr vor der Einschulung an einem im Schulgesetz verbindlich geregelten Verfahren zur Sprachstandsfeststellung teil. Kinder mit dabei entdeckten Sprachauffälligkeiten werden in Kleingruppen nach dem Programm „Handlung & Sprache“ von Häuser/Jülisch (Berlin und Woltersdorf 2006) und immer mehr auch durch besondere Angebote im Alltag in den Kindertagesstätten gezielt unterstützt. Für die Sprachstandsfeststellung und kompensatorische Sprachförderung, aber auch zu den Themen Sprachentwicklung und Sprachanregung, werden pädagogische Fachkräfte aus jeder Kita zehn Tage lang fortgebildet und kommen regelmäßig zu Reflexionstreffen zusammen.
Eine wissenschaftliche Evaluation des Programms konnte zwar zeigen, dass insbesondere Kinder mit schwachen Ausgangsbedingungen durch die Unterstützung in der Kita etwas aufholen konnten; diese Effekte waren aber einige Monate nach der Einschulung nicht mehr nachzuweisen.

Daraufhin wurde 2012 mit dem „Konzept zur Weiterentwicklung der Sprachförderung“ umgesteuert: Neben einer besseren Verzahnung der kompensatorischen Sprachförderung mit dem Kita-Alltag und der Stärkung der alltagsintegrierten Sprachförderung von Anfang an (u.a. durch die Entwicklung und kostenlose Verbreitung des Beobachtungsinstruments „Meilensteine der Sprachentwicklung“) wurde das „Landesprogramm Sprachberatung“ auf den Weg gebracht. Dieses sieht zum einen den Aufbau einer regionalen Unterstützungsstruktur zur Verbesserung der sprachlichen Bildung im gesamten Feld der Kindertagesbetreuung (Kitas, Tagespflege, Eltern-Kind-Gruppen, andere Angebote) vor. Im Kern steht jedoch die direkte Unterstützung und Beratung der Fachkräfte in ihren Einrichtungen zur Verbesserung ihres Sprachverhaltens und der Gestaltung einer sprachanregenden Umgebung. Rund 20 der meist bei Jugendämtern und Bildungsträgern beschäftigten Sprachberaterinnen und –berater absolvieren gerade eine Weiterbildung zur videogestützten Beratung nach Marte Meo. Dieses Vorhaben - die Verbesserung der Interaktion durch videogestützte Begleitung – wird ab 2016 im Rahmen der Bund-Länder-Initiative „Bildung durch Sprache und Schrift“ (BiSS) wissenschaftlich begleitet und evaluiert werden. Ziel der Evaluation ist es, herauszufinden, ob die Videobegleitung und -auswertung ein geeignetes Instrument ist, das sprachliche und nichtsprachliche Interaktionsverhalten (z.B. stützende Sprache, Versprachlichung kindlicher Absichten, handlungsbegleitendes Sprechen, Dialogisches Bilderbuchlesen) von Fachkräften in Kindertageseinrichtungen zu verbessern und ob es sich hierbei um eine nachhaltige und wirksame Interventionsstrategie handelt, deren Umsetzung in der Praxis und Verbreitung in der Fläche möglich ist.

Die o.g. Maßnahmen werden im Wesentlichen aus Landesmitteln finanziert. Darüber hinaus werden regelmäßig Fachmaterialien für die Praxis bereitgestellt und verteilt, so zum Beispiel die DVDs „Wie Kinder zu(m) Wort kommen“ und „Wie Kinder zur Schrift kommen“ und der Praxistext „Kompass zur sprachlichen Anregung und Förderung zwei- und dreijähriger Kinder“. Insgesamt wendet das Land im Jahr 2015 rund 5 Mio. € für die Unterstützung der sprachlichen Bildung und Sprachförderung auf.

Alle diese Investitionen scheinen sich auszuzahlen: Der Anteil der Kinder mit Sprachförderbedarf im Land Brandenburg lag bei der ersten flächendeckenden Datenerhebung im Jahr 2010 bei 19,7 %, 2011 bei 18,4 %, 2012 bei 17 %, 2013 bei 16,1 % und 2014 bei 14,9 %. Die aktuellen Daten des Jahres 2015 zeigen ein weiteres Absinken auf 14,6 %, so dass der positive Trend weiterhin angehalten hat, wenn auch in deutlich abgeschwächter Form. Auch die Daten des Landesgesundheitsamtes zur Einschulungsuntersuchung weisen kompensatorische Effekte des Kita-Besuchs aus: So sinkt bei Kindern, die drei Jahre und länger eine Kita besuchen, der Anteil mit Sprach- und Bewegungsauffälligkeiten.

Dass der Brandenburger Weg mit seinen verschiedenen Säulen erfolgreich ist, haben auch die Daten der Nationalen Untersuchung zur Bildung, Betreuung und Erziehung in der Kindheit - kurz: der NUBBEK-Studie - für Brandenburg gezeigt, in der die beteiligten Kitas bei den unter Dreijährigen ein bemerkenswertes überdurchschnittliches Ergebnis im Bereich der Qualität der Unterstützung der Kinder beim Sprachverstehen und Sprachgebrauch erzielt haben (vgl.: KRIPS-R Subbereich III Zuhören und Sprechen, Tab. 7, S.17).


Autorin:
Ulrike Klevenz
Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg
Referat für Kindertagesbetreuung
Heinrich-Mann-Allee 107
14473 Potsdam
Tel.: (0331) 866-3721
E-Mail: ulrike.klevenz@mbjs.brandenburg.de
Redaktionskontakt: schuster@dipf.de