Bericht

Deutscher Lesepreis 2015

26.11.2015

Auszeichnungen für Engagement, wissenschaftliche Leistungen und Innovationen in der Leseförderung




Preisverleihung am 25.11.2015 in Berlin
Preisverleihung am 25.11.2015 in Berlin
© Stiftung Lesen / Amin Akhtar
Von einem Hörspielprojekt für Väter mit Migrationshintergrund über die Sprachanalyse der Medienberichterstattung zur Finanzkrise bis hin zu einem Lese-Adventskalender in Rathausgröße – so vielfältig sind die mit dem Deutschen Lesepreis 2015 ausgezeichneten Projekte. Der Preis wird seit 2013 von der Stiftung Lesen und der Commerzbank-Stiftung ausgelobt und steht unter der Schirmherrschaft der Staatsministerin für Kultur und Medien Monika Grütters. Bei der Verleihung des Preises am 25. November 2015 an insgesamt neun Gewinnerinnen und Gewinner in den Kategorien „Ideen für morgen“, „Herausragendes individuelles Engagement“, „Herausragendes kommunales Engagement“, „Lesbare Wissenschaft“ und „Wissenschaft des Lesens“ sagte Frau Grütters: „Lesen ist Selbstzweck, aber Lesen ist auch Mittel zum Zweck der Bildung. Kurz gesagt: ohne Lesen keine Bildung. Ich gratuliere den Preisträgern und ich freue mich über das hundertfache Engagement und die Kreativität für die Leseförderung überall in Deutschland.“

Bei der Festveranstaltung mit rund 200 geladenen Gästen aus Bildung, Wirtschaft, Politik und Kultur im Berliner Humboldt-Carré sagte der Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen Dr. Jörg F. Maas: „Lesen braucht viele Förderer, angefangen bei den Eltern über Erzieher und Lehrer bis hin zu zehntausenden Vorlesepaten. Dieses Engagement zeichnen wir mit dem Deutschen Lesepreis aus. Angesichts von 7,5 Millionen funktionalen Analphabeten in Deutschland sind die Preisträger Botschafter und Vorbild für ein erfolgreiches Engagement in der Leseförderung.“ Die Geschäftsführerin der Commerzbank-Stiftung Astrid Kießling-Taşkin ergänzte: „Der Lesepreis ehrt nicht allein Personen und Initiativen, die sich um die Leseförderung schon verdient gemacht haben. Er ermöglicht auch die Umsetzung ganz neuer Ideen. Das ist das Ziel des von uns gestifteten Sonderpreises ‚Ideen für morgen‘, mit dem wir in diesem Jahr bewusst auf die aktuelle gesellschaftliche Herausforderung zum Themenkomplex ‚Migration und Integration’ reagieren.“

Der Deutsche Lesepreis zeichnet Menschen und Institutionen aus, die das Lesen bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit innovativen und erfolgreichen Initiativen und Projekten erhalten und fördern. Unter seinem Dach werden herausragende Projekte geehrt und darin unterstützt, sich optimal zu entwickeln und Impulse für die Leseförderung zu setzen. Damit schafft der Deutsche Lesepreis ein größeres öffentliches Bewusstsein für die Notwendigkeit von Leseförderung und würdigt die Preisträgerinnen und Preisträger als Vorbilder für mehr Lesefreude und Lesekompetenz in Deutschland. Die Jury wählte die neun Preisträgerinnen und Preisträger 2015 aus insgesamt 209 Einsendungen aus. Die Teilnahme stand allen in der Leseförderung Engagierten offen. Der Preis ist insgesamt mit 23.000 Euro dotiert.

Herausragende Idee für die Leseförderung von morgen
Mit dem Sonderpreis wird neuen Ideen der Leseförderung eine Chance zur Realisierung gegeben. Im Jahr 2015 steht die Kategorie erstmals unter einem Sonderthema. Das Fokusthema „Migration und Integration“ soll das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft über das Thema Leseförderung und -kompetenz bereichern und zur Teilhabe beitragen. Die Kategorie ist mit 6.000 Euro dotiert und wird von der Commerzbank-Stiftung gefördert.

Initiative Mehrsprachigkeit e.V. (Lübeck, Schleswig-Holstein)
Papa macht Radio – ein Hörspielprojekt mit Vätern: Hörbuchprojekt für Väter mit Migrationshintergrund und deren Kinder in einem „sozialen Brennpunkt“ zur Förderung von Sprache und Integration.
Weitere Informationen: www.initiative-mehrsprachigkeit.de


Herausragendes individuelles Engagement für die Leseförderung
In dieser Kategorie werden Individualpersonen ausgezeichnet, die sich in außergewöhnlicher Weise für die Leseförderung verdient gemacht haben. Die Preisträgerinnen und Preisträger erhalten ein Preisgeld von insgesamt 4.500 Euro (1. Preis 2.000 €, 2. Preis 1.500 €, 3. Preis 1.000 €). Die Kategorie wird durch die PwC-Stiftung Jugend Bildung Kultur gefördert.

1. Preis: Christine Sinnwell-Backes / Lese- und Schreibwerkstatt
Die Lese- und Schreibwerkstatt Nalbach begeistert seit 10 Jahren Kinder und Jugendliche für die Welt der Bücher und Geschichten mit kreativen Aktionen rund um das Lesen, von Bücherflohmärkten über Krimifrühstücke bis hin zu Flüchtlingsprojekten.
Weitere Informationen: www.lese-schreib-werkstatt.de

2. Preis: Wolfgang Ettmüller / Autorenlesungen an der BBS II Kaiserslautern

Seit 1987 veranstaltet die Berufsbildende Schule II in Kaiserslautern alljährlich Lesungen mit prominenten Gegenwartsautoren. Podiumsgespräche und Beiträge von Schülerinnen und Schülern wie Instrumental- und Gesangseinlagen, Tanz- und Turndarbietungen, Spielszenen und Power-Point-Präsentationen ergänzen die Lesungen. Häufig findet am Tag vor der Schullesung eine Schreibwerkstatt mit dem Gastautor statt.
Weitere Informationen: www.bbsiikl.de/pages/schulleben/autorenlesungen.php

3. Preis: Silke Menne / tierchenwelt.de
Die gleichermaßen seriöse und verspielte Medienschule und Wissensseite über Tiere für Kinder von 6 bis 14 Jahren bietet neben Tier-Steckbriefen, Malvorlagen, Tier-Quiz und einen Haustier-Check.
Weitere Informationen: www.tierchenwelt.de


Herausragendes kommunales Engagement für die Leseförderung
In dieser Kategorie werden Organisationen ausgezeichnet, die sich in Kooperation mit weiteren Partnern/Institutionen in außergewöhnlicher Weise für die Leseförderung verdient gemacht haben. Drei Preisträger erhalten ein Preisgeld von insgesamt 4.500 Euro (1. Preis 2.000 €, 2. Preis 1.500 €, 3. Preis 1.000 €). Die Kategorie wird durch FRÖBEL e. V. gefördert.

1. Preis: Kultur- und Bildungszentrum Haus Löwenberg / Gengenbach Leseland
Das Leseprojekt der Stadt Gengenbach ermöglicht Begegnungen mit Kinder- und Jugendbuchautorinnen und -autoren in Kindergärten und Schulen, gestaltete ein Stadtbuch speziell für Familien und Kinder und verwandelt alljährlich in der Adventszeit das Gengenbacher Rathaus mit seinen 24 Fenstern in einen großen Adventskalender.
Weitere Informationen: www.gengenbach.info

2. Preis: Universität Paderborn / LIFE – Lesen in Familie erleben
Das Family Literacy Projekt fördert und unterstützt generationenübergreifend den frühen Schriftspracherwerb und den alltäglichen Umgang mit Sprache, Schrift und Literatur an Paderborner Grundschulen ab der ersten Klasse. Die Eltern werden in die Förderung ihrer Kinder einbezogen. Das Projekt richtet sich insbesondere an bildungsferne Familien und Familien mit Migrationshintergrund.
Weitere Informationen: https://plaz.uni-paderborn.de/lehrerbildung/

3. Preis: Städt. Bibliotheken Dresden / Lesestark! Dresden blättert die Welt auf!
Das Projekt der Städtischen Bibliotheken Dresden richtet sich an Dresdner Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter. Alle Stadtteilbibliotheken betreuen ehrenamtliche Lesepatinnen und -paten und vermitteln sie an Kindergärten (Vorschulgruppe) und Grundschulen (1. Klasse). Neben regelmäßigen Vorlesestunden werden zahlreiche Aktionen angeboten, wie z. B. ein großes Lesefest, eine Lesesafari im Zoo und ein Vorlesetag im Museum.
Weitere Informationen: www.lesestark-dresden.de


Wissenschaftspreis für „Lesbare Wissenschaft“ und „Wissenschaft des Lesens“
In der Teilkategorie „Lesbare Wissenschaft“ werden Autorinnen und Autoren ausgezeichnet, die Wissenschaft für ein breites Publikum les- und greifbar machen. Der Preis dieser Kategorie ist mit 5.000 Euro dotiert. Im Bereich „Wissenschaft des Lesens“ werden Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler ausgezeichnet, die sich in ihren Abschlussarbeiten (Bachelor-, Master-, Magister-, Diplom- oder Staatsexamensarbeit) mit dem Thema Lesen im Kontext der Mediengesellschaft beschäftigen. Dieser Preis ist mit 3.000 Euro dotiert. Die Kategorie wird durch die Jürgen Moll Stiftung gefördert.

Preis „Lesbare Wissenschaft“:
Stefan Klein / Träume. Eine Reise in unsere innere Wirklichkeit:
Eine Entdeckungsreise in das Land der Träume auf Basis der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse aus Hirnscans und Traumdatenbanken mit Tipps zum mentalen Training.
Weitere Informationen: www.stefanklein.info/träume

Preis „Wissenschaft des Lesens“:

Christina Köhler / Grenzkosten, Eurobonds und Schattenbanken – aber was verstehen die Leser davon?
Magisterarbeit an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz über die Sprache und Medienberichterstattung zur Finanz- und Eurokrise.


Nominierungen für den Deutschen Lesepreis 2015
Aus 209 Bewerbungen, die für den Deutschen Lesepreis 2015 eingereicht wurden, nominierte die Jury 37 Einreichungen für den Preis in den Kategorien „Ideen für morgen“, „Herausragendes individuelles Engagement“, „Herausragendes kommunales Engagement“ und „Lesbare Wissenschaft“.

Nominierungen für den Sonderpreis „Ideen für morgen“
  • Bürgerstiftung für den Landkreis Fürstenfeldbruck: Gemeinsames Vorlesen mit Flüchtlingskindern
  • Deutsche Islam Bibliothek: Sprach- und Leseförderung in muslimischen Gemeinden
  • GGS Sonnenstraße: Die ganze Welt auf einer Bühne
  • IN VIA Dortmund e. V.: # Fern der Heimat...lies mit!
  • Initiative Mehrsprachigkeit e. V., Lübeck: Papa macht Radio - Ein Hörspielprojekt mit Vätern
  • Jumpers – Jugend mit Perspektive e. V., Kaufungen: Nicky Pedìa erklärt die Welt
  • KiTa am Steinberg, Münzenberg: KiTa-Kinder und ihre Lieblingsbücher in der ganzen Welt
  • Universität Bamberg, Lehrstuhl Didaktik der deutschen Sprache und Literatur: Die Entdeckung der Worte – Interkulturelles Lesen und Schreiben mit dem Dichter Nevfel Cumart
Nominierungen in der Kategorie „Herausragendes individuelles Engagement“
  • Christoph Conrad, Evangelisches Gymnasium Meinerzhagen: Lesefreundliche Schule EGM
  • Wolfgang Ettmüller, Berufsbildende Schule II, Kaiserslautern: Autorenlesung an der BBS
  • Levke und Heike Klaassen, Bremen: Deutschunterricht für Flüchtlinge
  • Katharina Linnemann, Paderborn: Leseförderung und Autorenlesungen
  • Silke Menne, Nürnberg: tierchenwelt.de – Das Tierlexikon für Kinder
  • Eveline Petraschka, Charlotte-Dessecker-Bücherei, Pullach: NachtSeiten - 2. Internationales Jugendliteratur-Festival Pullach
  • Margret Schaaf, Bundesverband Mentor e.V., Köln: MENTOR – Die Leselernhelfer Bundesverband e.V.
  • Christine Sinnwell-Backes, Lese- und Schreibwerkstatt, Schmelz: Lese- und Schreibwerkstatt - Mit allen Sinnen fürs Lesen begeistern
  • Sabine Stockhammer, Katholische Öffentliche Bücherei St. Laurentius, Tittmoning: Leseförderung und Spaß an Büchern
  • Renate Thomas, Schulbücherei Schillerschule Groß-Gerau: Leseförderung an der Grundschule
Nominierungen in der Kategorie „Herausragendes kommunales Engagement“
  • Bergsträßer Anzeiger, Bensheim: Leseförderung von Kindesbeinen an
  • Forum Bildung Wilhelmsburg, Hamburg: Preuschhof-Preis für Kinderliteratur
  • IRIS – Regenbogenzentrum, Halle: Lesebabys
  • Kinderstiftung Ravensburg: Lesewelten der Kinderstiftung Ravensburg
  • Kultur- und Bildungszentrum Haus Löwenberg, Gengenbach: Gengenbach Leseland: „Sams trifft Freunde“
  • Lions Club Coburg Veste: Lesipold - Lesen macht stark
  • Norddeutscher Rundfunk, Redaktion Barrierefreie Angebote, Hamburg: Thementag Alphabetisierung und Der NDR in Leichter Sprache
  • Sprachförderzentrum Berlin Mitte: Leseförderung mit Schmökerkisten
  • Städtische Bibliotheken Dresden: Projekt Lesestark! Dresden blättert die Welt auf
  • Universität Paderborn: LIFE – Lesen in Familien erleben
Nominierungen für den Wissenschaftspreis, Kategorie „Lesbare Wissenschaft“
  • Harro Albrecht: Schmerz. Eine Befreiungsgeschichte. München: Pattloch 2015
  • Raphael M. Bonelli: Selber schuld! Ein Wegweiser aus seelischen Sackgassen. München: Pattloch 2013
  • Heinz Bude: Gesellschaft der Angst. Hamburg: Verlag Hamburger Edition 2014
  • Vince Ebert: Bleiben Sie neugierig! Macht sauer lustig? Darf man gelben Schnee essen? Und andere Fragen aus der Wissenschaft. Berlin: Rowohlt 2013
  • Gerd Gigerenzer: Risiko. Wie man die richtigen Entscheidungen trifft. München: btb 2013
  • Stefan Klein: Träume. Eine Reise in unsere innere Wirklichkeit. Frankfurt am Main: S. Fischer 2014
  • Kristin Kopf: Das kleine Etymologicum. Eine Entdeckungsreise durch die deutsche Sprache. Stuttgart: Klett-Cotta 2014
  • Hartmut Walz: Einfach genial entscheiden. Die 55 wichtigsten Erkenntnisse für Ihren beruflichen Erfolg. Freiburg: Haufe 2013
  • Heinrich Zankl und Katja Betz: Trotzdem genial. Darwin, Nietzsche, Hawking und Co. Weinheim: Wiley VCH 2014

Kontakt:
Thomas Kleinebrink
Stiftung Lesen
Römerwall 40
55131 Mainz
E-Mail: thomas.kleinebrink@stiftunglesen.de
Tel.: (06131) 28890-17
Internet: www.deutscher-lesepreis.de
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