Bericht

Bücher sagen Willkommen

30.09.2015

Sprach- und Leseförderung für Flüchtlinge




Banner der Initiative
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© Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V.
Die Zahl der Flüchtlinge in Deutschland nimmt täglich zu. Viele der Asyl suchenden Menschen werden länger in Deutschland bleiben. Neben den lebensnotwendigen Ressourcen wie Unterkunft und Verpflegung können Bildung und Kultur die Integration entscheidend unterstützen. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, die Frankfurter Buchmesse und die LitCam haben anlässlich des Weltbildungstages am 8. September 2015 eine gemeinsame Initiative für Flüchtlinge ins Leben gerufen. Unter dem Motto „Bücher sagen Willkommen“ erhalten Flüchtlinge einen einfachen und schnellen Zugang zu Lern- und Lesematerial. Spezielle Angebote zur Sprach- und Leseförderung für Flüchtlingskinder und ihre Familien hält auch die Stiftung Lesen bereit. Mit einem vielfältigen und passgenauen Kultur- und Bildungsangebot heißen Bibliotheken Flüchtlinge und Asylsuchende willkommen, z. B. werden im Rahmen des Projekts „Lesen macht stark: Lesen und digitale Medien“ auch Aktionen gefördert, die direkt junge Flüchtlinge ansprechen. In Schleswig-Holstein haben die Büchereizentrale und der Flüchtlingsrat eine landesweite Initiative zur Verbesserung der Situation der Flüchtlinge gestartet. Mit gezielten Maßnahmen will das Bundesministerium für Bildung und Forschung die Integration voranbringen, u. a. werden alle Flüchtlingskinder bis zum Alter von fünf Jahren in Erstaufnahmeeinrichtungen ein speziell konzipiertes Lesestart-Set erhalten. „Wenn Integration gelingt, profitieren alle“, sagt Bundesbildungsministerin Johanna Wanka.
Im folgenden Beitrag wird eine Auswahl aktueller Initiativen, Projekte und Angebote zur Sprach- und Leseförderung für Flüchtlinge vorgestellt.

Bücher sagen Willkommen
Im Rahmen der gemeinsamen Initiative des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, der Frankfurter Buchmesse und der LitCam, die unter der Schirmherrschaft des Schriftstellers Navid Kermani steht, werden Lese- und Lernecken in oder in der Nähe von Flüchtlingsunterkünften eingerichtet und mit Büchern und Lernmaterialien ausgestattet: Vorgesehen sind sowohl Deutsch-Lehrbücher, Wörterbücher und Lexika als auch Romane und Sachbücher in entsprechenden Fremdsprachen. „Flüchtlinge kommen mit den unterschiedlichsten Voraussetzungen nach Deutschland. Durch einen einfachen Zugang zu Lern- und Lesematerial wollen wir ihnen ermöglichen, sich individuell auf die neuen Herausforderungen einzustellen, z. B. Deutsch zu lernen, aber auch einmal für einen Moment Ablenkung und Zerstreuung zu finden. Zusammen mit unserem Expertenteam und den Flüchtlingsprojekten versuchen wir, Bücher für die jeweiligen Gegebenheiten und Bedürfnisse zusammenzustellen“, sagt Karin Plötz, Direktorin der LitCam.
Die erste Lese- und Lernecke wurde in einem Lernzentrum im Stadtteil Gallus in Frankfurt am Main eröffnet. Asylbewerber aus den umliegenden Unterkünften erhalten dort bereits Deutschunterricht, zudem sind in dem Gebäude selbst rund 30 unbegleitete Jugendliche untergebracht. Durch Spendenaktionen in Buchhandlungen sollen weitere Lese- und Lernecken im gesamten Bundesgebiet ermöglicht werden.
Die Frankfurter Buchmesse ermöglicht 500 Flüchtlingen am 18. Oktober den kostenlosen Eintritt zur Buchmesse und stellt sich mit einem „Welcome Place“ und zwei sprachlich und thematisch zugeschnittenen Veranstaltungen auf diese spezielle Zielgruppe ein.
Weitere Informationen: www.buecher-sagen-willkommen.de

Bibliotheken heißen Flüchtlinge und Asylsuchende willkommen
Der Beirat des Deutschen Bibliotheksverbandes (dbv) diskutierte auf seiner Jahrestagung am 17. und 18. September 2015 in Dortmund Wege zur Erweiterung bereits bestehender Bibliotheksangebote für Flüchtlinge und Asylsuchende und veröffentlichte dazu eine Erklärung, in der die bedeutende gesellschaftliche Funktion der Bibliotheken bei der Bewältigung der Herausforderung, Flüchtlinge und Asylsuchende aufzunehmen, zu betreuen und zu integrieren, betont wird. „Bibliotheken werden sich künftig noch stärker aktiv in die lokale Willkommenskultur einbringen und Kontakte zu den hier neu angekommenen Menschen und den engagierten Akteuren auf – und ausbauen“, heißt es u. a. in der Erklärung. Hingewiesen wird auf Bibliotheksangebote wie die Bereitstellung von Medienboxen in Flüchtlingsunterkünften, mehrsprachige Medienangebote und Gesprächsgruppen zur Unterstützung des Spracherwerbes und Aktivitäten der Leseförderung, für deren flächendeckenden Ausbau sich der Beirat des Deutschen Bibliotheksverbandes ausdrücklich ausspricht.
Weitere Informationen: www.bibliotheksverband.de

Bibliotheksangebote für Flüchtlinge
Auf seiner Website gibt der Deutsche Bibliotheksverband (dbv) einen Überblick über Angebote für Flüchtlinge. Vorgestellt werden Praxisbeispiele und Fördermöglichkeiten für die Arbeit mit Flüchtlingen, fremdsprachige Arbeitsmaterialien für die interkulturelle Bibliotheksarbeit sowie kostenfreie Sprachlernangebote des Goethe-Instituts. Ein Willkommensplakat und ein interkulturelles Wimmelbild stehen zum kostenlosen Download zur Verfügung.
Weitere Informationen: www.bibliotheksverband.de

Auftakt des Projekts „Willkommen in Schleswig-Holstein“
Weltweit sind Millionen Kinder, Frauen und Männer auf der Flucht. Sie wurden durch Kriege oder Verfolgung aus ihrer Heimat vertrieben. Auch in Schleswig-Holstein kommen immer mehr Flüchtlinge an, die sich in einer für sie fremden Welt zurechtfinden müssen. Sie erwartet ein neues Land, eine neue Stadt, eine neue Kultur und nicht zuletzt auch eine neue Sprache. Mit der landesweiten Initiative „Willkommen in Schleswig-Holstein“, die am 2. Oktober in der Gemeindebücherei Boostedt eröffnet wird, wollen die Büchereizentrale Schleswig-Holstein und der Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein zu einer Verbesserung der Situation der Flüchtlinge beitragen. Das Projekt wird nachhaltig durch die Schleswig-Holsteinischen Sparkassen unterstützt. Die Schirmherrschaft hat Innenminister Stefan Studt übernommen. Um die Ankunft in Schleswig-Holstein zu erleichtern, stellen 63 öffentliche Büchereien Medienboxen mit Büchern und Spielen speziell für Menschen, die erst seit Kurzem im Land sind, zur Verfügung. Das Angebot richtet sich an Initiativen und ehrenamtlich Helfende und unterstützt diese bei ihrer täglichen Arbeit.
Weitere Informationen: www.bz-sh.de

„Lesen macht stark: Lesen und digitale Medien“ auch für junge Flüchtlinge
Bibliotheken übernehmen eine wesentliche gesellschaftliche Funktion bei der Herausforderung, Flüchtlinge und Asylsuchende in Deutschland zu integrieren. Vor allem Kinder und Jugendliche benötigen schnell Angebote, die sie beim Erlernen der deutschen Sprache unterstützen. Die Aktionen im Rahmen des Projekts „Lesen macht stark: Lesen und digitale Medien“, das der Deutsche Bibliotheksverband e. V. in Kooperation mit der Stiftung Digitale Chancen im Rahmen des Förderprogramms „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung durchführt, richten sich bereits an Kinder und Jugendliche nichtdeutscher Herkunft. Nun können ebenfalls Aktionen gefördert werden, die direkt junge Flüchtlinge ansprechen. In der aktuellen Ausschreibungsrunde können sich interessierte Bibliotheken und andere Akteure der kulturellen Bildung bis zum 15. November 2015 um Fördermittel bewerben.
Weitere Informationen: www.lesen-und-digitale-medien.de

Projekte der Stiftung Lesen für Flüchtlinge
„Integration funktioniert ganz wesentlich über Sprache. Lesen und Vorlesen sind deshalb mehr als nur eine schöne Beschäftigung. Ehrenamtliche Vorlesepaten leisten einen elementaren Beitrag für die neue Willkommenskultur in Deutschland“, so Jörg F. Maas, Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen.
Unter dem Motto „Willkommen in Deutschland. Mit Freunden gemeinsam lesen, basteln und spielen.“ stattet die Stiftung Lesen gemeinsam mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend alle Mehrgenerationenhäuser, die in der Flüchtlingsarbeit aktiv sind, mit eigens zusammengestellten Büchern, Spielen, Mal- und Bastelutensilien aus. Die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden im Umgang mit den Materialien geschult. Ziel ist es, Flüchtlingsfamilien mit Kindern bis zu 12 Jahren spielerisch mit dem deutschen Alltag und der deutschen Sprache vertraut zu machen und Kontakte herzustellen.
Außerdem qualifiziert die Stiftung Lesen gemeinsam mit dem Projektpartner Deutsche Post DHL Group an 100 Standorten des Unternehmens Vorlesepatinnen und -paten und stattet Einrichtungen in der Umgebung der Standorte mit Lese- und Medienboxen aus.
Die Empfehlungsliste „Geschichten öffnen Türen – Vorlesen und Erzählen mit Kindern aus aller Welt“ mit für die Wortschatzerweiterung geeigneten Titeln, textfreien Bilderbüchern, Wörter- und Bildkarten sowie Spielbüchern steht auf der Website der Stiftung Lesen zum Download zur Verfügung.
Weitere Informationen: www.stiftunglesen.de/fluechtlinge

„Lesestart“ auch für Flüchtlingskinder
„Bildung ist der Schlüssel“ heißt es in einer Pressemitteilung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, in der u. a. die
Einbeziehung von Flüchtlingskindern in die Initiative „Lesestart – Drei Meilensteine für das Lesen!“ angekündigt wird. In Kooperation mit der Stiftung Lesen wurde im Rahmen der Initiative ein dreijähriges Programm für Flüchtlingskinder in Erstaufnahmeeinrichtungen gestartet. Ab Mitte Dezember 2015 erhalten dort Flüchtlingskinder bis zum Alter von fünf Jahren ein spezielles Lesestart-Set, für alle Kinder bis zum Alter von 12 Jahren werden Lese- und Medienboxen bereitgestellt. Darüber hinaus werden Seminare für ehrenamtliche Vorlesepatinnen und -paten sowie andere Freiwillige in Erstaufnahmeeinrichtungen angeboten, die die Zusammenarbeit regionaler Akteure der Leseförderung mit den Erstaufnahmeeinrichtungen unterstützen sollen. Zudem wird das BMBF die Entwicklung einer App zum Deutschlernen fördern.
Weitere Informationen: www.bmbf.de/presse/bildung-ist-der-schluessel-1596.html

Informationen und Tipps der Akademie für Leseförderung Niedersachsen
Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kitas, Bibliotheken und Schulen sowie Ehrenamtliche, die sich als Leselernhelferinnen und -helfer bzw. Vorlesepatinnen und -paten engagieren, haben derzeit häufig mit Kindern und Jugendlichen zu tun, die aus anderen Ländern kommen und oft über keine oder nur sehr geringe Deutschkenntnisse verfügen. Die Akademie für Leseförderung Niedersachsen hat Informationen, Linktipps und Medienempfehlungen zusammengestellt, die bei der Sprach- und Leseförderung von Kindern, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, hilfreich sein können.
Weitere Informationen: www.alf-hannover.de/

Fördermöglichkeiten für die Arbeit mit Flüchtlingen
Das Bibliotheksportal des Deutschen Bibliotheksverbandes e.V. (dbv) stellt einen Artikel von Julia Borries, knb-Referentin für EU- und Drittmittel beim dbv, aus „BuB Forum Bibliothek und Information 08-09/2015“ zur Verfügung. Unter dem Titel „Sponsoring, Stiftungen, Partnerschaften - Große Bandbreite an Fördermöglichkeiten für die Arbeit mit Flüchtlingen - auch für Bibliotheken“ stellt die Autorin lokale Finanzierungsmodelle und Projektbeispiele aus der Arbeit von Bibliotheken vor und berichtet über die Entwicklung von nationalen und europäischen Förderprogrammen.
Weitere Informationen: www.bibliotheksportal.de

Neue Nachbarn für die Katholischen Öffentlichen Büchereien (KÖB)
Der Borromäusverein hat auf seiner Website eine neue Rubrik mit Informationen, Empfehlungen und Anregungen eingerichtet, um Büchereien bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Neben Hintergrundinformationen zur aktuellen Flüchtlingswelle bietet die Seite Medienempfehlungen und Projektideen, Bastelanleitungen und Ausmalvorlagen zum kostenlosen Download, Verweise auf Aktions- und Hilfeseiten sowie auf Informationen in vielen Sprachen – u.a. auf eine Benutzungsordnung für Büchereien in 20 Sprachen.
Weitere Informationen: www.borromaeusverein.de

Christine Schuster

Redaktionskontakt: schuster@dipf.de