Bericht

Verstärkte Leseförderung an hessischen Schulen

16.07.2015

Verbesserung der Lesekompetenz in allen Fächern aller Schulformen




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© Hessisches Kultusministerium
Mit dem Ziel, allgemeinbildenden Schulen eine Orientierungshilfe bei der Ausrichtung ihrer Angebote zur Verbesserung der Lesekompetenz in den Klassen 3 bis 12 zu geben, beschloss das hessische Kabinett im Dezember 2012 die Umsetzung des Konzeptes „Verstärkte Leseförderung an hessischen Schulen“. Entwickelt wurde das Konzept von der Leiterin des Projektbüros für förder- und kompetenzorientierten Unterricht im Hessischen Kultusministerium, Ulrike Krug, die auch die landesweite Umsetzung leitet. Die Projektstruktur wurde gemeinsam mit Dr. Daniel Nix entwickelt. Prof. Dr. Andreas Gold, Goethe-Universität Frankfurt am Main, hat die wissenschaftliche Begleitung des Projekts übernommen.

Mindeststandards der Leseförderung
Damit das Ziel, Verbesserung der Lesekompetenz in allen Fächern aller Schulformen, erreicht werden kann, sollen zunächst folgende wissenschaftlich gesicherte und beeinflussbare Elemente der Lesekompetenz als Mindeststandards in allen Schulen gesichert werden:
  • Einsatz von Leselernstandserhebungen als Grundlage von Förderung
  • Förderung der Dekodierfähigkeit/Leseflüssigkeit
  • Einübung von Lesestrategien/auch Schreiben zum Lesen
  • Lesen in allen Fächern
  • Lesemotivation/Vielleseverfahren
  • Leseförderung von Jungen
Wie die einzelnen Elemente ausgestaltet und umgesetzt werden, entscheidet jede Schule selbst.

Ein „roter Faden“ für die Leseförderung in den Schulen
Die Mindeststandards der Leseförderung sollen den Schulen eine Orientierungshilfe bieten und sie - wie ein „roter Faden“ - bei der Ausrichtung ihrer Angebote sowie bei der Entwicklung und Weiterentwicklung ihrer Leseförderkonzepte unterstützen.

Mithilfe einer „Checkliste“, auf der die Mindeststandards aufgeführt sind, kann zunächst die Ausgangssituation an der Schule analysiert werden. Erfolgreiche Lesefördermaßnahmen können identifiziert und ihr Entwicklungsbedarf kann festgestellt werden, woraus dann Ziele für die weitere Arbeit abgeleitet werden können.

Die Qualifizierungsmodule
Die oben genannten Elemente wurden in 3 Qualifizierungsmodulen umgesetzt, die in allen Schulen durchgeführt werden. Die Struktur der Module ist immer gleich und beinhaltet nach einer theoretischen Fundierung über die Bedeutung des jeweiligen Aspektes der Lesekompetenz (z.B. Leseflüssigkeit), die Vorstellung von Diagnoseinstrumenten und Fördermaßnahmen sowie Vorschläge zu ihrer Umsetzung.

Im Basismodul 1 geht es um Diagnose und Förderung der basalen Lesefertigkeiten und der Leseflüssigkeit, die auch in den Schulen der Sekundarstufe noch in den Blick genommen werden müssen. Die Bedeutung der Leseflüssigkeit muss nachdrücklich vermittelt werden. Zu diesem Modul werden nach einer theoretischen Einführung einfache Instrumente/Tools zur Diagnose sowie auch Möglichkeiten der Förderung vorgestellt. „Lautlese-Tandems“ als eine Methode zur Förderung der Leseflüssigkeit werden praktisch eingeübt.

Thema des Basismoduls 2 ist das Leseverständnis. Schwerpunkt ist hier der Einsatz von Lesestrategien wie auch metakognitiver Strategien. Sie sind vielen Lehrkräften der Sekundarstufe bereits bekannt, jedoch nicht in ihrer entscheidenden Bedeutung für eigenverantwortliches und selbst gesteuertes Lernen. Ebenso ist den Lehrkräften die Bedeutung der Lehrperson als Modell nicht genügend bewusst. Lesestrategien werden häufig im Fach Deutsch, selten aber in allen Fächern genutzt. Alle Kolleginnen und Kollegen in den Schulen sollen zunächst über die Bedeutung der Lesestrategien für alle Fächer informiert werden. Daher wird auch hier zunächst eine theoretische Einführung erfolgen, anschließend werden Diagnose- und Fördermöglichkeiten vorgestellt und praktisch erprobt.

Im Basismodul 3 geht es um Diagnose und Förderung der Lesemotivation. Hier geht es darum, wie Schülerinnen und Schüler zum Lesen motiviert werden können, die zwar in kognitiver Hinsicht zur Textverarbeitung in der Lage sind, aber längere Texte und Bücher nicht lesen, z.B. weil sie keinen persönlichen Gewinn aus der Lektüre ziehen können oder Anstrengung vermeiden wollen. Lesemotivation ist in vielen Dimensionen bedeutsam für die Ausbildung der Lesekompetenz, daher ist es wichtig, herauszufinden, warum die Schülerinnen und Schüler nicht zum Lesen motiviert sind. Zu dieser Diagnose werden Frage- und Selbsteinschätzungsbögen vorgestellt. Verfahren der Leseanimation, wie z.B. Leseprojekte, Klassenbibliotheken, Lesenächte sowie Vielleseverfahren werden als Möglichkeiten der Förderung in diesem Modul vorgestellt und erprobt.

„Verstärkte Leseförderung“ an Grundschulen im Rheingau
In Kooperation mit dem Hessischen Kultusministerium setzen sechs Grundschulen im Rheingau das Konzept der „Verstärkten Leseförderung“ im Rahmen des bundesweiten Forschungs- und Entwicklungsprogramms „Bildung durch Sprache und Schrift“ (BiSS) um. Der hessische Verbund bearbeitet die BiSS-Module „Diagnose und Förderung der Leseflüssigkeit und ihrer Voraussetzungen“ und „Diagnose und Förderung des Leseverständnisses“. Die Leseförderkonzepte der teilnehmenden Schulen werden auf der Basis der im Konzept der „Verstärkten Leseförderung“ definierten Mindeststandards analysiert und weiterentwickelt. Ziel des BiSS-Programms, in dem bundesweit 100 Verbünde mitarbeiten, ist es, herauszufinden, welche Methoden und Instrumente der Sprachförderung, Sprachdiagnostik und Leseförderung unter welchen Bedingungen funktionieren, und wie sie optimal für eine durchgängige wirksame Sprach- und Leseförderung vom Beginn institutioneller Betreuung bis zum Ende der Sekundarstufe I eingesetzt werden können.

Kontakt:
Ulrike Krug
Hessisches Kultusministerium
Walter-Hallstein-Str. 3-7
65197 Wiesbaden
Tel.: (0611) 8803-156
E-Mail: Ulrike.Krug@kultus.hessen.de
Redaktionskontakt: schuster@dipf.de