Bericht

Literanauten als Lesebotschafterinnen und -botschafter

15.06.2015

Ein erfolgreiches Projekt wird fortgesetzt




Logo des Projekts (Ausschnitt)
Logo des Projekts (Ausschnitt)
© Arbeitskreis für Jugendliteratur e.V.
Im Rahmen der Initiative „Literanauten überall“ des Arbeitskreises für Jugendliteratur (AKJ), die im April 2013 ins Leben gerufen wurde, engagieren sich Jugendliche als Lesebotschafterinnen und -botschafter. Gemeinsam mit lokalen Bündnispartnern organisieren sie Projekte und Aktionen, um Gleichaltrige, insbesondere solche, die bisher keinen Zugang zu Literatur hatten, für das Lesen zu begeistern. Die Initiative ist Teil des Förderprogramms „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Jugendleseclubs und interessierte Einrichtungen können sich beim AKJ für die Teilnahme bewerben. Weitere Informationen unter www.literanauten.org.

Förderung des Projekts bis Ende 2017
Die Förderung des Projekts „Literanauten überall“ mit seinem modellhaften Peer-to-Peer-Ansatz war im Rahmen des Programms „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ zunächst bis Ende 2015 bewilligt worden. Zur Halbzeit des Programms begutachtete eine unabhängige Expertenjury alle geförderten Projekte. Für die Initiative des AKJ liegt ein positives Votum vor: Die Literanauten werden für zwei weitere Jahre vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Eine Chance auf mehr kulturelle Teilhabe
Nach einer intensiven Aufbauphase engagieren sich inzwischen 22 Leseclubs und Literaturgruppen aus zehn Bundesländern bei den „Literanauten“. Die jugendlichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer beschäftigen sich mit der Frage, wie sie auch Wenigleser für das Lesen begeistern können. Entstanden sind in den ersten beiden Jahren 73 verschiedene Projekte, wie z.B. Poetry Slams, Krimi-Dinner, Film- und Theaterworkshops, Lesungen oder literarische Speed-Datings. Alle Veranstaltungen wurden maßgeblich von und mit Jugendlichen für Jugendliche initiiert und durchgeführt. So veranstaltete der Lesezeichenclub der St. Angela-Schule gemeinsam mit dem Leseclub des Jugendbüros Oberursel einen Märchennachmittag für Kinder und Jugendliche aus Flüchtlingsfamilien. Im Rahmen eines Krimi-Schreib-Projekts untersuchten die Mitglieder des Leseclubs „Under Cover! Die Buchspezialisten“ historische Kriminalfälle aus der Region Ludwigsburg auf ihre Krimitauglichkeit und schrieben eigene Geschichten dazu. Einen Detektiv-Workshop mit einem echten Detektiv veranstalteten die JuliD-Literanauten der Weibelfeldschule Dreieich in ihrer Schulbücherei und die Wermelskirchner Literanauten organisierten einen Film-Workshop rund um das Buch „Fräulein Esthers letzte Vorstellung. Eine Geschichte aus dem Warschauer Ghetto“.
Erreicht wurden mit den mehr als 140 Veranstaltungstagen bislang ca. 1.800 Kinder und Jugendliche. Für die meisten von ihnen bieten die Literanauten eine Chance auf mehr kulturelle Teilhabe.

Literarische Abenteuernachmittage mit der fliegenden Maus
Im Rahmen des Projekts „Literanauten überall“ engagieren sich nicht nur Leseclubs, sondern auch Studierende des Literatur- oder Lehramtsstudiums. Vom 12. bis zum 16. Januar 2015 gestalteten Studierende des Instituts für Schulpädagogik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg im Hort der Grundschule am Ludwigsfeld fünf literarische Nachmittage zu Torben Kuhlmanns Bilderbuch „Lindbergh“. Die abenteuerliche Geschichte einer Maus, der es nach einigen missglückten Versuchen und wochenlangem Tüfteln letzten Endes gelingt, mit einem selbst gebauten Flugapparat den Atlantik zu überqueren, inspirierte die Zweitklässer dazu, wie die Maus Großes zu vollbringen.

In drei verschiedenen Projektgruppen wurde den Kindern ein produktions- und handlungsorientierter Zugang zum Bilderbuch ermöglicht. Sie beschäftigten sich mit den Anfängen der Fluggeschichte, gestalteten eigene Flugobjekte, erarbeiteten sich die Geschichte mit geografischem Kartenmaterial und verfassten eigene Texte über das Reisen. Eine Gruppe produzierte ein Hörspiel zu den Abenteuern der fliegenden Maus, eine andere gestaltete eine eigene Geschichten-Zeitung mit Texten zum Buch, die dritte organisierte eine Ausstellung mit den selbst gebauten Flugobjekten. Besonderes Highlight des fünftägigen Projekts war ein Workshop mit dem Autor und Illustrator Torben Kuhlmann, in dem er von seiner Arbeit und der Entstehung des Buches berichtete und die Kinder zu eigenen Erfindungen mit anderen Tieren anregte. Am letzten Tag präsentierten die Kinder ihre Arbeiten vor einem großen Publikum.

Verlängerung ermöglicht nachhaltige Wirkung durch kontinuierliche Arbeit
Die Verlängerung des Lesefördeprojekts eröffnet die Möglichkeit, die lokalen Bündnisse zu festigen, die Zusammenarbeit zu intensivieren, die Anzahl der beteiligten Kinder und Jugendlichen zu erhöhen, neue Veranstaltungsmodelle auszuprobieren und eine nachhaltige Wirkung durch kontinuierliche Arbeit zu erzielen. Nicht zuletzt bietet der verlängerte Projektzeitraum auch Neueinsteigern die Chance, sich bei den „Literanauten überall“ zu beteiligen. Bewerbungen sind jederzeit möglich und direkt an den Arbeitskreis für Jugendliteratur (AKJ) zur richten.
Christine Schuster

Kontakt:
Bettina Neu
Projektleitung: Literanauten überall
Arbeitskreis für Jugendliteratur e.V.
Metzstr. 14 c
81667 München
Tel.: (089) 45808082
E-Mail: neu@jugendliteratur.org
Internet: www.literanauten.org
Redaktionskontakt: schuster@dipf.de