Bericht

„Holt die Bücher aus dem Feuer!“

08.05.2015

Lesungen gegen das Vergessen




Flyer zum 82. Jahrestag der Bücherverbrennung
Flyer zum 82. Jahrestag der Bücherverbrennung
© Bürgerinitiative „Holt die Bücher aus dem Feuer!“, Münster 2015
Im Mai 1933 verbrannten die deutschen Nationalsozialisten im Rahmen der „Aktion wider den undeutschen Geist“ die Bücher unliebsamer Autorinnen und Autoren auf öffentlichen Plätzen in ganz Deutschland. Anlässlich des 82. Jahrestages dieses Kulturfrevels werden an Schulen und Universitäten, in Theatern, Rathäusern, Bibliotheken, Museen, Buchhandlungen und auf öffentlichen Plätzen Texte aus den damals verbrannten Büchern vorgelesen, um sie auf diese Weise symbolisch wieder „aus dem Feuer“ zu holen. Die Initiative „Bücher aus dem Feuer“ veröffentlicht unter www.buecherlesung.de Termine von Lesungen und Veranstaltungen. Die folgende Auswahl soll dazu beitragen, den Aufruf der Initiative „Wir lesen gegen das Vergessen! Lesen Sie mit!“ zu unterstützen.

Münsteraner Bürgerinnen und Bürger lesen verbotene Literatur
Unter dem Motto „Holt die Bücher aus dem Feuer!“ lesen Bürgerinnen und Bürger am 9. Mai 2015 von 10.00 bis 13.00 Uhr in der Stubengasse in der Innenstadt von Münster verbotene Literatur. 1933 wurde in Münster eine Aktion „wider den undeutschen Geist“ gestartet. Auf dem Münsteraner Domplatz wurde ein Schandpfahl aufgestellt – Literatur, die pazifistische oder sozialistische Ideen befürwortete oder deren Autorinnen und Autoren im Verdacht standen, jüdischer Abstammung zu sein, sollten gebrandmarkt werden. In Münster wurden Bücher von allen örtlichen Buchhändlern freiwillig aussortiert. Mit dieser Lesung werden die einst verbotenen und verbrannten Texte symbolisch wieder „aus dem Feuer“ geholt, um auf diese Weise an den Kulturfrevel von 1933 zu erinnern.
Weitere Informationen: www.uni-muenster.de

Lesung gegen das Vergessen im Piccolo-Theater in Cottbus
Auch in diesem Jahr veranstaltet das Piccolo-Theater in Kooperation mit der Bücherei Sandow eine Lesung anlässlich des Jahrestages der Bücherverbrennung durch die Nazis am 10. Mai 1933. 82 Jahre ist es inzwischen her, als mit der „Aktion wider den undeutschen Geist“ ein Schlag gegen die deutsche Kulturlandschaft geführt wurde, der klar zeigte, welchen Zeitgeist der Nationalsozialismus heraufbeschwor. Es folgte der Verlust der Rede- und Pressefreiheit, der kulturellen Vielfalt und letztlich jedweder Menschlichkeit.
Unter dem Motto „Holt die Bücher aus dem Feuer" lesen am 10. Mai 2015 um 18.00 Uhr im Piccolo-Theater, Erich Kästner Platz, prominente Menschen aus Cottbus, Schauspielerinnen und Schauspieler des Piccolo-Theaters und Jugendliche des Piccolo-Jugendklubs.
Am Montag, den 11. Mai um 10.00 Uhr wird die Lesung noch einmal für Schülerinnen und Schüler veranstaltet. Der Eintritt für beide Termine ist frei.
Weitere Informationen: www.piccolo-cottbus.de

Mahnveranstaltung im Literaturhaus Schleswig-Holstein in Kiel
Am 10. Mai 1933 ließen die deutschen Nationalsozialisten in großem Stil die Bücher unliebsamer Autorinnen und Autoren auf öffentlichen Plätzen verbrennen. In Kiel fand diese Aktion „wider den undeutschen Geist" auf dem Wilhelmplatz statt. Die Voraussage Heinrich Heines von 1821, „... dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen“, bewahrheitete sich wenig später. Mit der Verbrennung der Bücher hatten die Nazis auch ihre Autorinnen und Autoren für vogelfrei erklärt - sie konnten ihrer nur oft nicht mehr habhaft werden. An den 82. Jahrestag der Bücherverbrennung von 1933 erinnern Autorinnen und Autoren am 10. Mai um 17.00 Uhr im Literaturhaus Schleswig-Holstein, Schwanenweg 13, 24105 Kiel, mit Lesungen aus „verbrannten“ Büchern. Es lesen u.a. Lorenz Gösta und Wolfgang Beutin. Der Eintritt ist frei.
Weitere Informationen: www.literaturhaus-sh.de

Szenische Lesung aus verbrannten Werken vor dem Alten Rathaus in Bonn
Die Gedenkstätte Bonn gestaltet am 10. Mai um 16 Uhr am Lesemal vor dem Alten Rathaus gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern der Klasse 9A der Integrierten Gesamtschule Beuel eine szenische Lesung anlässlich des 82. Jahrestages der Bücherverbrennung. Anschließend wird die Büchertruhe, die Teil des Lesemals ist, wieder mit Büchern verfolgter Autorinnen und Autoren gefüllt und bis zum nächsten Jahr verschlossen.
Weitere Informationen: www.bonn.de

Gedenken an die Bücherverbrennung am Maschsee in Hannover
Zur Erinnerung an die Bücherverbrennung vom 10. Mai 1933, bei der Studierende und Lehrkräfte der hannoverschen Hochschule Bücher von liberalen, pazifistischen und marxistischen Schriftstellerinnen und Schriftstellern am Bismarck-Denkmal in den Maschwiesen verbrannten, findet am 11. Mai 2015 um 13 Uhr an der Gedenkplatte zur Information über die Bücherverbrennung am Maschsee, Rudolf-von-Bennigsen-Ufer, Höhe Geibelstraße, 30173 Hannover, eine Gedenkveranstaltung statt. Schülerinnen und Schüler der Klasse 10 a der Käthe-Kollwitz-Schule haben sich intensiv mit den Zusammenhängen der Bücherverbrennung beschäftigt und präsentieren die Ergebnisse ihrer Reflektionen.
Weitere Informationen: www.erinnerungundzukunft.de

Lesen gegen das Vergessen auf dem Friedrichsplatz in Kassel

Anlässlich des 82. Jahrestages der Bücherverbrennung auf dem Friedrichsplatz in Kassel wird am 19. Mai 2015 um 18.30 Uhr am Ort des Geschehens mit Texten damals verfemter Autorinnen und Autoren an diese Ereignisse erinnert. Es war am Abend des 19. Mai 1933 als SA- und SS-Kolonnen auf dem Kasseler Friedrichsplatz aufmarschierten, um unter dem Motto „Ungeist auf den Scheiterhaufen“ in aller Öffentlichkeit Bücher der vom NS-Regime geächteten Autorinnen und Autoren zu verbrennen. Bereits in den Tagen zuvor hatten Schüler und Studenten, die als „undeutsch“ deklarierten Bücher aus den Kasseler Leihbüchereien und Buchhandlungen entfernt. In Wäschekörben wurden sie zum Friedrichsplatz gebracht. Dort wurde aus den tausenden Bänden ein Scheiterhaufen dieser „intellektuellen Giftstoffe“ errichtet. Unter den Klängen eines SA-Musikzuges gingen die Bücher dann in Flammen auf. Es war eine riesige Menschenmenge, die mit großer Anteilnahme dieses „Schauspiel“ verfolgte. In überschwänglichen Worten berichteten die Tageszeitungen von diesem Ereignis!
Weitere Informationen: kassel.deutsch-israelische-gesellschaft.de

Ausstellung „Wo man Bücher verbrennt ...“ in der Universität Hamburg
In Kooperation mit dem AStA der Universität Hamburg und dem Arbeitskreis „Bücherverbrennung – nie wieder!“ wird im Audimax (Empore) der Universität Hamburg, Campus Von-Melle-Park, bis zum 29. Mai 2015 die Ausstellung „Wo man Bücher verbrennt ... Verbrannte Bücher, verbannte und ermordete Autoren Hamburgs“ von Wilfried Weinke gezeigt. Geöffnet ist werktags von 8 bis 20 Uhr, der Eintritt ist frei.
Weitere Informationen: www.asta-uhh.de

Ausstellung in Kamp-Lintfort „Hören und sehen, was vor 82 Jahren verbrannt wurde“
Aus Anlass des 82. Jahrestages der Bücherverbrennung durch die Nazis werden in der Stadtbücherei Kamp-Lintfort Kurzbiografien von einigen der damals verfolgten Autorinnen und Autoren zu sehen sein. Schülerinnen und Schüler der UNESCO-Gesamtschule Kamp-Lintfort haben zu Leben und Werk von Joseph Roth, Erich Kästner, Anna Seghers und anderen Plakate erstellt. Gedichte und Kurzgeschichten aus den damals verbrannten Büchern sind an fünf Hörstationen zu hören. Schulklassen und alle Interessierten werden so von Texten, die vom Verein LesART e.V. in ein Endlosformat übertragen wurden, beim Bibliotheksbesuch begleitet. Die Ausstellung ist während der Öffnungszeiten der Stadtbücherei bis zum 29. Mai 2015 zu sehen. Der Eintritt ist frei.
Weitere Informationen: www.kamp-lintfort.de

Zusammengestellt von Christine Schuster

Redaktionskontakt: schuster@dipf.de