Bericht

KIM-Studie 2014: Bücher und Lesen in der Freizeit

03.03.2015

Basisuntersuchung zum Medienumgang 6- bis 13-Jähriger in Deutschland




Titelseite der KIM-Studie 2014
Titelseite der KIM-Studie 2014
© Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (mpfs)
Mit der Studienreihe KIM (Kinder + Medien, Computer + Internet) untersucht der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest (mpfs) seit 1999 das Medienverhalten von 6- bis 13-jährigen Kindern in Deutschland. Am 25. Februar 2015 wurden auf der Bildungsmesse didacta in Hannover die Ergebnisse der KIM-Studie 2014 vorgestellt, für die im Frühsommer 2014 rund 1.200 Kinder in persönlichen Gesprächen zur Nutzung verschiedener Medien befragt wurden. Parallel dazu fand eine schriftliche Befragung der Haupterzieherinnen und -erzieher, zu ihrem Medienverhalten, zu Einstellungen den Medien gegenüber und zum Medienumgang ihres Kindes statt. Um die Vergleichbarkeit der Ergebnisse zu gewährleisten, bleibt der Fragenkatalog der KIM-Studie von Erhebung zu Erhebung gleich. Er wird lediglich von Zeit zu Zeit den Veränderungen der äußeren Bedingungen und Medienangebote angepasst und durch thematische Schwerpunkte ergänzt. 2014 wurde insbesondere die Nutzung von Tablets und Computern in den Blick genommen.

Wir veröffentlichen nachfolgend mit freundlicher Genehmigung das Kapitel „Bücher und Lesen in der Freizeit“ (S. 26 bis 29). Die gesamte Studie steht zum Download zur Verfügung unter www.mpfs.de/fileadmin/KIM-pdf14/KIM14.pdf.

Bücher und Lesen in der Freizeit

1. Nutzungsfrequenz und Präferenzen
Lesen gilt als Schlüsselkompetenz zur Erschließung von Wissen und Information. Neben dem zweckbezogenen Lesen in der und für die Schule zählt vor allem das freiwillige Lesen als wichtiger Baustein zur Stärkung der Lesekompetenz. Viele Kinder haben schon im Vorschulalter Erfahrungen mit Büchern gemacht, sei es mit Bilderbüchern oder durch das Vorlesen. Wenn Kinder selbst Lesen lernen, zeigt sich, ob sie das selbstständige Lesen auch als Freizeitaktivität in ihren Alltag integrieren. Jedes zweite Kind im Alter von sechs bis 13 Jahren liest regelmäßig Bücher, 83 Prozent greifen zumindest selten zu einem Buch. Mädchen zählen zu einem deutlich höheren Anteil zu den regelmäßigen Lesern (61 %) als Jungen (41 %). Bei den Jungen ist dann auch der Anteil der Nicht-Leser mit 22 Prozent doppelt so hoch wie bei den Mädchen (11 %).

Grafik: (Gedruckte) Bücher lesen: Nutzungsfrequenz 2014

Die Lesefähigkeit, die sich mit zunehmender Leseerfahrung mit dem Alter steigert, hat wenig Auswirkung auf die Lesefrequenz. Lediglich die Leseanfänger im Alter von sechs bis sieben Jahren haben mit 44 Prozent einen deutlich geringeren Anteil an regelmäßigen Lesern als die übrigen Altersgruppen.
Nicht nur die Nutzung zeigt, dass auch im multimedialen Zeitalter aufwachsende Kinder einen Sinn für Bücher haben: 51 Prozent zeigen generell Interesse am Thema „Buch“. Über die Hälfte der Kinder liest gerne oder sehr gerne. Wie bei der Nutzung zeigt sich auch bei der Beliebtheit des Lesens, dass Mädchen eine besondere Beziehung zum Buch haben. Mit 28 Prozent ist der Anteil der Mädchen, die sehr gerne lesen, mehr als doppelt so hoch wie bei den Jungen (12 %).

Grafik: Wie gerne liest du Bücher? (ohne Schulbücher)

Die höhere Affinität der Mädchen zum Lesen zeigt sich auch bei der Nutzungshäufigkeit von Zeitschriften und beim Besuch von Bibliotheken, hier weisen Mädchen jeweils eine höhere Nutzungsfrequenz auf als Jungen. Jungen haben dagegen ein Faible für Comics. Während nur jedes dritte Mädchen regelmäßig Comics liest, liegt der Anteil bei den Jungen bei 47 Prozent.

Zum Zeitpunkt der Befragung lasen 51 Prozent der Kinder, die zumindest selten lesen, gerade ein Buch. Auch hier sind Mädchen häufiger bei einer Lektüre als Jungen. Die Art der gerade gelesenen Bücher zeigt ein breites Bild der Interessen der Kinder, unterscheidet sich jedoch kaum von den Titeln der vergangenen Jahre. An erster Stelle stehen weiterhin wie seit vielen Jahren Bücher aus der Welt von „Harry Potter“, beliebt sind auch Bücher der Reihen „Die drei Fragezeichen“, „Gregs Tagebuch“, „Fünf Freunde“ und die Vampir- und Mystery-Serie „Twilight“. Neu ist auf Platz sechs „Die Tribute von Panem“ – eine durchaus gewalthaltige Science Fiction-Geschichte. Diese wird allerdings – wie auch
die Reihen „Harry Potter“ und „Twilight“ – vor allem von den Lesern über zehn Jahren genannt.

Der Zugang zum klassischen Medium Buch ist deutlich abhängig vom Bildungsgrad der Haupterzieher. Dies belegt beispielsweise auch die Ausstattung mit Büchern. Im Durchschnitt sind in einem Haushalt mit Kindern im Alter zwischen sechs und 13 Jahren 132 Bücher vorhanden, die Kinder haben durchschnittlich 26 eigene Bücher. In Haushalten mit höherer formaler Bildung (Abitur/Studium) ist der Bestand mit 297 Büchern (Kinder: 43 Bücher) deutlich höher. Bei mittlerer Bildung liegt die Anzahl bei 104 Büchern (Kinder: 24), bei niedriger formaler Bildung bei 79 Büchern (Kinder: 19). Was die Ausstattung der Kinder mit Büchern betrifft, haben Mädchen mit 27 Exemplaren nur eine geringfügig größere Auswahl an Büchern als Jungen (25). Im Altersverlauf nimmt der Bestand an Büchern naturgemäß zu, er liegt bei 22 Büchern bei den Sechs- bis Siebenjährigen und steigt auf 30 Exemplare bei den 12- bis 13-Jährigen an (8-9 Jahre: 27, 10-11 Jahre: 27).

Grafik: Bücher lesen 2014 - „Liest du zurzeit ein Buch?“

Neben der heimischen Ausstattung gibt es auch vielerorts eine öffentliche Bibliothek, eine Bücherei oder Mediathek, die den Zugang zu Büchern und weiteren Medien ermöglichen.6 46 Prozent der Kinder nutzen zumindest selten dieses Angebot. Auch wenn das Angebot der Büchereien und ähnlicher Einrichtungen in den vergangenen Jahren deutlich ausgeweitet wurde und neben Büchern oft auch Filme, CDs oder Computerspiele angeboten werden, leihen Kinder überwiegend Bücher aus.

Grafik: Bücherei/Bibliothek/Mediathek 2014 - „Wie häufig leihst du diese Dinge aus?“

Eine weitere Option in der Freizeit zu lesen ist das Angebot von Tageszeitungen. Zwei Fünftel der Familien (39 %) haben zuhause ein Abonnement einer Tageszeitung. Generell zählen sieben Prozent der Kinder zu den regelmäßigen Lesern, die zumindest einmal pro Woche die Tageszeitung lesen. Etwa jedes vierte Kind nutzt zumindest selten eine Tageszeitung (24 %). Von diesen geben 38 Prozent an, dass die Zeitung, die sie zuhause lesen, spezielle Seiten für Kinder enthält; für 42 Prozent gibt es allerdings kein altersgerechtes Angebot. Die restlichen 20 Prozent lesen zwar zumindest selten in einer Tageszeitung, haben aber kein Abo zuhause. Diejenigen Kinder, die Kinderseiten zur Verfügung haben, nutzen diese mehrheitlich auch gerne. Zwei Drittel der Mädchen und über die Hälfte der Jungen schauen sich „ihre“ Kinderseiten sehr gerne oder gerne an.

2. Hörbücher und Hörspiele
Neben Büchern erlauben Hörspiele eine andere Auseinandersetzung mit Geschichten und Erzählungen. Zum einen erschließen sich so auch Geschichten für jüngere Kinder, die noch nicht die nötige Ausdauer zum selbstständigen Lesen haben und durch Hörspiele und Hörbücher ohne das Zutun eines Erwachsenen selbst bestimmen können, wann sie den Geschichten lauschen möchten. Andererseits bietet die akustische Ebene auch eine neue Erfahrensdimension, die einer Geschichte mehr Tiefe und Spannung verleihen kann, so dass Hörspiele auch für Ältere und nicht zuletzt auch für Erwachsene sehr spannend sein können.7 Bei den Kindern im Alter von sechs bis 13 Jahren hört jedes zweite zumindest selten Geschichten an. 22 Prozent nutzen regelmäßig (zumindest einmal pro Woche) Hörspiele oder Hörbücher. Mit 26 Prozent ist der Anteil bei den Mädchen höher als bei den Jungen (18 %). Geschichten anzuhören ist vor allem eine Freizeitbeschäftigung für die jüngeren Kinder. Der Anteil der regelmäßigen Zuhörer liegt bei den Sechs- bis Siebenjährigen bei 37 Prozent und nimmt dann stetig ab (8-9 Jahre: 30 %, 10-11 Jahre: 14 %, 12-13 Jahre: 9 %).

28 Prozent aller Kinder können ein Hörspiel oder ein Hörbuch benennen, das ihnen besonders gut gefällt, jüngere Kinder haben deutlich häufiger ein Lieblingshörspiel (6-7 Jahre: 44 %, 8-9 Jahre: 37 %, 10-11 Jahre: 23 %, 12-13 Jahre: 10 %).
Entsprechend der höheren Nutzungsfrequenz der jüngeren Kinder sind unter den Nennungen vor allem Titel, die eine jüngere Altersgruppe ansprechen. Diejenigen, die ein Lieblingshörspiel haben (n=337) nennen hauptsächlicher „Klassiker“, die auch als gedrucktes Buch bei Kindern seit vielen Jahren beliebt sind. An erster Stelle liegen „Die drei Fragezeichen“, gefolgt von der Hexe „Bibi Blocksberg“, den Krimigeschichten der „Fünf Freunde“ sowie den Abenteuern des Elefanten „Benjamin Blümchen“.

Grafik: Lieblingshörbücher/-hörspiele 2014 - „Gibt es ein Hörbuch/-spiel, das dir besonders gut gefällt?“

Publikation:
KIM-Studie 2014
Kinder + Medien, Computer + Internet
Basisuntersuchung zum Medienumgang 6- bis 13-Jähriger in Deutschland
Autoren: Sabine Feierabend (SWR Medienforschung), Theresa Plankenhorn (LFK), Thomas Rathgeb (LFK)
Herausgeber: Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, Stuttgart, Februar 2015

Der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest ist eine Kooperation der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LFK) und der Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz (LMK). Die Durchführung der Studie erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Südwestrundfunk (SWR).


Kontakt:
Thomas Rathgeb
Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (mpfs)
c/o Landesanstalt für Kommunikation
Reinsburgstraße 27
70178 Stuttgart
Tel.: (0711) 6699152
E-Mail: T.Rathgeb@lfk.de
Internet: www.mpfs.de

Anmerkungen:
6 Nach Angaben der Haupterzieher haben 38 Prozent der Kinder die Möglichkeit, selbständig mindestens eine Bücherei in der Nähe zu erreichen.

7 Eine pädagogische Empfehlung für den Einsatz von aktuellen Hörspielen für Kinder bietet das Angebot www.ohrenspitzer.de mit „Töne für Kinder“ sowie weiteren Materialien zur Zuhörförderung.
Redaktionskontakt: schuster@dipf.de