Bericht

Deutscher Lesepreis 2014

12.12.2014

Auszeichnung für herausragendes Engagement in der Leseförderung




Preisverleihung am 9.12.2014 in Berlin
Preisverleihung am 9.12.2014 in Berlin
© Stiftung Lesen / Luca Abbiento
Die Stiftung Lesen und die Commerzbank-Stiftung haben am 9. Dezember zum zweiten Mal in Berlin den Deutschen Lesepreis verliehen. Neun Preisträgerinnen und Preisträger erhielten in vier verschiedenen Kategorien die Auszeichnung für ihr herausragendes Engagement in der Leseförderung. Der Sonderpreis der Commerzbank-Stiftung „Ideen für morgen“ ging an die Münsteranerin Claudia Berghorn für ihr Projekt „Wortschatz-Caching“. Günter Reichert, Initiator der „Asylothek“ in Nürnberg, belegte den ersten Platz in der Kategorie „Herausragendes individuelles Engagement“. Der zweite und dritte Preis gingen an Anja Chrzanowski (Berlin) und die Schülerin Lena Ismail (Mainz). Die Stadt- und Kreisbibliothek Greiz war Gewinnerin in der Kategorie „Herausragendes kommunales Engagement“. Es folgten auf den Plätzen zwei und drei die Hamburger Büchertürme und die Stadtbibliothek Göttingen. Die Mannheimer Bestseller-Autorin Giulia Enders erhielt den Wissenschaftspreis in der Kategorie „Lesbare Wissenschaft“. Annedore Friedrich aus Mainz wurde für ihre Bachelorarbeit in der Kategorie „Wissenschaft des Lesens“ ausgezeichnet.

Die Jury wählte die neun Preisträgerinnen und Preisträger aus insgesamt 274 Einsendungen aus. Die Teilnahme stand allen in der Leseförderung Engagierten offen. Der Deutsche Lesepreis steht unter der Schirmherrschaft der amtierenden Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Nordrhein-Westfalens Schulministerin Sylvia Löhrmann. Der Preis ist insgesamt mit 23.000 Euro dotiert.

„Vor dem Hintergrund, dass rund ein Fünftel der Bevölkerung in Deutschland Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben hat, muss Leseförderung als gemeinsame Anstrengung aller gesellschaftlichen Gruppen verstanden werden und die öffentliche Wahrnehmung für das Thema gestärkt werden“, betonte Dr. Jörg F. Maas, Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen. „Genau hier setzen wir mit dem Deutschen Lesepreis an und würdigen und unterstützen innovative sowie nachhaltige Projekte, die dazu beitragen, der Leseförderung in Deutschland neue Impulse zu geben.“

Sonderpreis der Commerzbank-Stiftung „Ideen für morgen“: neue Wege in der Leseförderung
Ziel des mit 6.000 Euro dotierten Sonderpreises der Commerzbank-Stiftung „Ideen für morgen“ ist es, die Realisierung neuartiger Konzepte zu ermöglichen. „Preisträgerin Claudia Berghorn will mit ihrer Idee des ‚Wortschatz-Caching‘ ein noch nie dagewesenes Angebot im Bereich der Leseförderung schaffen“, erklärte Astrid Kießling-Taskin, Geschäftsführerin der Commerzbank-Stiftung und Mitglied der Jury beim Deutschen Lesepreis.

Wie beim „Geocaching“ – der Schnitzeljagd mit GPS-Gerät – geht es auch beim neuen „Wortschatz-Caching“ um die erfolgreiche Bergung eines Schatzes – eines Schatzes in „literarischer“ Form: Ausgestattet mit einem GPS-Gerät machen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf den Weg, um zum Beispiel in der Literatur bedeutende Orte oder historische Inschriften zu finden. Im einhelligen Urteil der Jury ist „Wortschatz-Caching“ ein vorbildhaftes Projekt für unterschiedliche Alters- und Zielgruppen, in dem Neugier und Abenteuerlust mit der spielerischen Aufforderung, sich mehr mit dem Thema Lesen zu beschäftigen, in Einklang gebracht werden.

„Spaß an der Technik, Spannung, das Gemeinschaftserlebnis ... – die Gründe, beim Geocaching mitzumachen, sind vielfältig. Das ist beim ‚Wortschatz-Caching‘ ganz genauso“, sagte Kießling-Taskin. „Hinzu kommt der als Nebeneffekt getarnte Haupteffekt: Aus ihrer eigenen Motivation heraus, ohne jedoch darauf komplett fokussiert zu sein, beschäftigen sich die Teilnehmer beim ‚Wortschatz-Caching‘ mit dem Thema Lesen. Sie eignen sich dabei eine Schlüsselkompetenz für gesellschaftliche Teilhabe an.“

Herausragendes individuelles Engagement: persönlicher Einsatz für das Lesen
In der Kategorie „Herausragendes individuelles Engagement“, gefördert von der PwC-Stiftung Jugend – Bildung – Kultur, erhielt der Architekt Günter Reichert den ersten, mit 2.000 Euro dotierten, Preis: Seine von ihm in Nürnberg ins Leben gerufene „Asylothek“ ist die bundesweit erste Bibliothek in einem Asylbewerberheim. Reicherts Ziel ist es, neben der direkten Vermittlung von Wissen und Sprachkenntnissen, die Integration von Asylsuchenden und ihren Kinder zu fördern. Der zweite Preis in Höhe von 1.500 Euro ging an Anja Chrzanowski. Die Lehrerin am Campus Efeuweg in Berlin-Neukölln motiviert mit ihrem Literaturclub Kinder aus verschiedenen Nationen und auch schwierigen sozialen Verhältnissen zum Lesen. Über den dritten Preis und die damit verbundenen 1.000 Euro freute sich die 13-jährige Schülerin Lena Ismail aus Mainz, die mit ihrem eigenen Kinder- und Jugendbuch-Blog online ist.

Herausragendes kommunales Engagement: Leseförderung für unterschiedliche Alters- und Bevölkerungsgruppen
Den Sieg in der Kategorie „Herausragendes kommunales Engagement“, gefördert von der FRÖBEL-Gruppe, konnte die Stadt- und Kreisbibliothek Greiz für sich verbuchen. Für ihr Projekt „Bücher brechen Mauern“ – einem Leseförderungsangebot für Häftlinge im Strafvollzug – wurde sie von der Jury mit einem Preisgeld von 2.000 Euro ausgezeichnet. Der mit 1.500 Euro dotierte zweite Preis ging an die Hamburger Büchertürme. In einem Wettbewerb werden Grundschüler angeregt, möglichst viel zu lesen: Die Gruppe, aus deren Lesestoff der höchste Turm entstanden ist, hat gewonnen. Den dritten Preis (dotiert mit 1.000 Euro) erhielt die Stadtbibliothek Göttingen. Beim Göttinger Kinder-Vorlese-Sommer wird auf Spielplätzen vorgelesen. Gemeinsam mit ihren Eltern oder Großeltern können sich Kinder ab vier Jahren an den verschiedenen Leseangeboten erfreuen und Ideen für häusliche Vorlesestunden sammeln.

Wissenschaftspreis in zwei Kategorien
Unter dem Dach des Deutschen Lesepreises wurde außerdem der von der Jürgen Moll Stiftung geförderte Wissenschaftspreis vergeben. In der Kategorie „Lesbare Wissenschaft“ (dotiert mit 5.000 Euro) wurde Giulia Enders ausgezeichnet. Mit ihrem Bestseller „Darm mit Charme“ hat sie ein medizinisches Thema für breite Bevölkerungskreise lesbar und verständlich gemacht.
In der Kategorie „Wissenschaft des Lesens“ (dotiert mit 3.000 Euro) ging der Preis an Annedore Friedrich für ihre Bachelorarbeit am Institut für Buchwissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität Mainz mit dem Titel „Digitales für die Kleinsten? Qualitätskriterien für Bilderbuch-Apps“.

Nominierungen für den Deutschen Lesepreis 2014
Aus insgesamt 274 Einsendungen hatte die Jury 38 besonders herausragende Projekte für den Deutschen Lesepreis nominiert. Die Preisträgerinnen und Preisträger der einzelnen Kategorien wurden aus diesen Nominierungslisten ausgewählt.
Die Bewertung und Auswahl der Gewinnerinnen und Gewinner des Wissenschaftspreises erfolgte unabhängig von den drei Kategorien des Deutschen Lesepreises durch das Institut für Lese- und Medienforschung der Stiftung Lesen und die Jürgen Moll Stiftung.

10 Nominierungen für den Sonderpreis der Commerzbank-Stiftung „Ideen für morgen“
  • ax-o e.V., Aachen: Vorlesen vor Kindergartenkindern als unterstützendes Mittel zum Spracherwerb für junge Migranten.
  • Claudia Berghorn, Münster: „Wortschatz-Caching“ zur niedrigschwelligen Leseförderung.
  • Kindergebärden, Ziethem: Veröffentlichung eines Babybilderbuches mit Gebärdensprachen-Abbildungen
  • Kinder lesen und schreiben für Kinder e.V., München: Mit dem Projekt „StoryTeller“ sollen bundesweit Kinder in Hospizen und Blindeninstituten mit originellen Geschichten versorgt werden.
  • Max-Planck-Gymnasium, Delmenhorst: „Booklyn Media“ – Aufbau und Pflege der Schulbibliothek durch eine „Schülerfirma“
  • Mediothek Wutöschingen: Schaffung eines interaktiven Literatur-Wanderwegs für Kinder
  • Stadtbibliothek Heinrich Heine Gotha: „Sturm und Drang auf die Bibliothek - Rappen, Slamen-Appen“: Schaffung neuer Angebote, um mit moderner Technik und unkonventionellen Ideen Jugendliche für die Bibliothek zu begeistern und sie dauerhaft daran zu binden
  • Stadtbücherei Frankfurt am Main: „LeseTouch“ - Vermittlung von Literatur mittels Tablet-PC, App und klassischem Buch
  • Städtische Bibliotheken Dresden: Projekt „Lesestark Kultur!“ zur Verbindung von Leseförderung und Museumspädagogik.
  • Verein Alter und Soziales e. V., Ahlen: Schaffung von multimodalen und multimedialen Zugängen zu Leseinhalten für Menschen mit Demenz.

14 Nominierungen in der Kategorie „Herausragendes individuelles Engagement“
  • Heidemarie Brosche, Hauptschullehrerin in Friedberg/Bayern: großes und vielfältiges Engagement an ihrer Schule für Leseförderung insb. für Bildungs- und Leseferne sowie Jugendliche
  • Anja Chrzanowski, Literaturclub des Campus Efeuweges, Berlin, der Schüler unterschiedlicher Nationalitäten sowie aus einem schwierigen sozialen Umfeld erreicht und sie zum Lesen motiviert
  • Christoph Conrad, Evangelisches Gymnasium Meinerzhagen: Initiierung und Aufbau unterschiedlicher Leseförderungsmaßnahmen für alle Altersstufen an der Schule
  • Ute Griep, Kronshagen, organisierte die Wanderausstellung „In Kisten und Koffern - Tiere auf Wanderschaft“: Über 100 aktuelle Sachbücher zum Thema Tiere reisen mit kompletten Unterrichtsmaterialien durch Schleswig-Holstein.
  • Lena Ismail, Mainz: Die lesebegeisterte Zwölfjährige hat einen eigenen Kinder- und Jugendbuch-Blog ins Leben gerufen
  • Dr. Torsten Köppe, Königswinter, und sein 15-jähriger Sohn sind als ehrenamtliche „Tandem-Vorleser“ regelmäßig im örtlichen Kindergarten
  • Erwin Mitschdörfer, Volkshochschule/Bücherei Nordhastedt e. V., initiierte zahlreiche Leseförderungsprojekte in seiner Gemeinde
  • Ömer Özbekler, Hanau: Das bilinguale Projekt „Papa liest ein Buch“ möchte gezielt Väter dazu animieren, in Kindergärten mehrsprachig zu lesen.
  • Eveline Petraschka und Martin Salfer, Charlotte-Dessecker-Bücherei, Pullach im Isartal: Initiierung und Organisation des 1. Internationalen Jugendliteraturfests „Tacheles Hören“ für Jugendliche ab 14 Jahren
  • Günter Reichert, Nürnberg: Aufbau der „Asylotek“, die bundesweit erste Asylbewerberheimbibliothek, welche neben der direkten Sprach- und Wissensvermittlung auch die Integration (traumatisierter) Asylsuchender sowie ihrer Kinder fördern soll.
  • Dr. Thomas Rieke-Baulecke, Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein: Initiator des Programms „Niemanden zurücklassen - Lesen macht stark“
  • Christine Sinnwell-Backes, Schmelz/Saarland: Lese- und Schreibwerkstatt für Kinder und Jugendliche
  • Annelie und Wilfried Stascheit, Selbst.Los! Kulturstiftung Frickingen: Das Projekt „Kinder brauchen Bücher, arme noch viel mehr!“ hilft mittellosen Familien mit Buchspenden, um Kindern Lesestoffe zur Verfügung stellen zu können.
  • Frau Zitzmann, Schulbibliothek der Adolf-Reichwein-Schule, Neu-Anspach: Jahrgangsübergreifende Leseförderung und Betreuung der Schulbibliothek.

14 Nominierungen in der Kategorie „Herausragendes kommunales Engagement“
  • AWO-Migrationssozialdienst, Bamberg: frühe Lese- und Sprachförderung von Kindern mit und ohne Migrationshintergrund mit dem Projekt „Bamberger Lesefreunde“.
  • Baden-Württemberg Stiftung, Stuttgart: Das Projekt kicken&lesen verfolgt den innovativen Ansatz, Bildung (Leseförderung) und Bewegung (Fußball) miteinander zu verbinden.
  • Bibliothek Gransee: Aufbau und Pflege eines Lese-Netzwerkes für alle Generationen
  • Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Frankfurt: Das Leseförderungsprojekt „LeseTüte“ ist eine bundesweite Buchhandelsaktion für Lese- und Schulanfänger. Im Jahr 2014 übergaben 450 Buchhandlungen insgesamt 90.000 Tüten/Bücher an Erstleser.
  • Büchertürme, Hamburg: Grundschulkinder werden im Wettbewerb dazu animiert, einen „Bücherturm“ so hoch wie ein Kirchturm zu lesen
  • Gymnasium Veitshöchheim: das 2008 aufgebaute lokal-regionale Lesenetzwerk ist ein erfolgreich laufendes Großprojekt zur Leseförderung und zum Ausbau der Selbst-, Sozial-, Fach- und Methodenkompetenzen von Kindern und Jugendlichen in Kooperation mit externen Partnern.
  • Johann-Schöner-Gymnasium, Karlstadt: Die „Karlstadter LesART“ist ein städtisches Lesefestival mit besonderer Einbindung von Schulen, das sich an alle Altersgruppen richtet.
  • Leseohren e.V., Stuttgart: Deutschlands größte Vorlese-Initiative legt u.a. einen Schwerpunkt auf Vorleseangeboten von Muttersprachlern in Türkisch, Griechisch, Russisch, Englisch, Kroatisch und weiteren Sprachen.
  • Leseregion Straubing - Stadt und Land: Pilotprojekt zur nachhaltigen Förderung der Lese- und Informationskompetenz im ländlichen Raum
  • Lesewelt Halle, c/o Freiwilligen-Agentur Halle: Leseförderung u.a. durch individuelle Lesepatenschaften für Kinder im Grundschulalter, die besonderen Unterstützungsbedarf haben.
  • Projektbüro Lesementoring Landeshauptstadt Hannover: Jugendliche als Lesecoaches sind im Projekt Lesementoring die Hauptakteure, die mit vielen kreativen Ideen Kinder an die Welt der Bücher heranführen.
  • Stadtbibliothek Göttingen: Beim Göttinger Kinder-Vorlese-Sommer wird auf Spielplätzen vorgelesen, um Kleinkinder ab 4 Jahren und ihre Eltern oder Großeltern an Bilderbücher heranzuführen.
  • Stadtbibliothek Mannheim: Bildungspartner im „Mannheimer Unterstützungssystem Schule (MAUS)“
  • Stadt- und Kreisbibliothek Greiz : Leseförderungsangebot u.a. für Häftlinge im Strafvollzug

Jury des Deutschen Lesepreises 2014
Dr. Jörg F. Maas, Hauptgeschäftsführer Stiftung Lesen
Astrid Kießling-Taskin, Geschäftsführerin Commerzbank-Stiftung
Meike Betzold, Leiterin der Stadt- und Schulbibliothek Kelsterbach, DBV Kommission Kinder- und Jugendbibliotheken
Dr. Simone Ehmig, Leiterin des Instituts für Lese- und Medienforschung
Prof. Dr. jur. Hans Fleisch, Generalsekretär Bundesverband Deutscher Stiftungen
Annegret Kieschnick, Referentin im Bildungswerk der FRÖBEL-Gruppe
Ursula Krickl, Referatsleiterin Deutscher Städte- und Gemeindebund
Susanne Lux, Inhaberin der Kinder- und Jugendbuchhandlung Nimmerland, Mainz
Dr. Sebastian Moll, Johannes Gutenberg Universität Mainz
Nele Neuhaus, Schriftstellerin
Christina Ringer, Moderatorin und Fernsehjournalistin
Lutz Roschker, Vorstandsmitglied der PwC-Stiftung Jugend – Bildung – Kultur
Thomas Sonnenburg, Coach, Sozialpädagoge, Autor und Erziehungsberater

Kontakt:
Esther Dopheide
Pressesprecherin Stiftung Lesen
Römerwall 40
55131 Mainz
Tel.: (06131) 28890-36
E-Mail: esther.dopheide@stiftunglesen.de
Internet: www.stiftunglesen.de

Beate Schlosser
Pressesprecherin Commerzbank-Stiftung
Kaiserstraße 16
60311 Frankfurt am Main
Tel.: (069) 136-22137
E-Mail: beate.schlosser@commerzbank.com
Internet: www.commerzbank-stiftung
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