Bericht

Schreiben – Lesen – Grundbildung, ein Recht für alle, überall!

04.09.2014

Poetry-Slam in der Jugendstrafanstalt anlässlich des Welttages der Alphabetisierung




© Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V.
© Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V.
Am 8. September, dem Welttag der Alphabetisierung, wird rund um den Globus mit Veranstaltungen und Aktionen daran erinnert, dass es in vielen Ländern immer noch ein Privileg ist, lesen und schreiben zu können. In der Jugendstrafanstalt (JSA) Berlin wird anlässlich des Welttages der Alphabetisierung ein Thementag unter dem Motto „Schreiben – Lesen – Grundbildung, ein Recht für alle, überall!“ in Kooperation mit dem RAUS-Projekt des Bundesverbandes Alphabetisierung und Grundbildung veranstaltet. Die Projektpartner, RAUS und JSA, kooperieren bereits seit 2012 in einem bundesländerübergreifenden Modellprojekt miteinander.

Das RAUS-Projekt
RAUS - Resozialisierung durch Alphabetisierung und Übergangsmanagement für Straffällige wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Im Rahmen des Projekts werden Bedingungen und Bedarfe der Alphabetisierung von Straffälligen ermittelt und an fünf Modellstandorten Konzepte zur Alphabetisierung, Ansprache und Motivation von Betroffenen entwickelt und erprobt. Darüber hinaus werden Lehr- und Lernmaterialien sowie Diagnostikempfehlungen erarbeitet und in einem Online-Pool unter www.raus-blick.de kostenlos zur Verfügung gestellt. Die Projektmitarbeiter bieten Beratung und Information zum Thema Alphabetisierung sowie Weiterbildungen für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus den Bereichen Justiz, Straffälligenhilfe und Übergangsmanagement an.

Kampf um Wörter - Poetry-Slam-Workshop für junge Gefangene

Am 9. September gastieren Dalibor Marcovic und Sulaiman Masomi in der Jugendstrafanstalt Berlin. In einem Poetry-Slam-Workshop für die jungen Gefangenen wird es darum gehen, welche Kräfte durch Wörter entfesselt werden können. Nachmittags präsentieren sie ihr Programm und ermöglichen so den Workshopteilnehmern, mit ihnen gemeinsam erste Bühnenerfahrungen vor ca. 50 Inhaftierten der JSA zu sammeln.

Berlins Justizsenator Thomas Heilmann erklärt dazu: „Schulschwänzen und die damit einhergehenden Lücken schon in der Grundbildung haben jugendliche Straftäter häufig gemeinsam. Und nicht selten scheitert die Resozialisierung und Integration leider genau an diesen Grundvorrausetzungen. Veranstaltungen wie der Poetry-Slam-Workshop helfen deshalb sehr, bei Jugendlichen überhaupt erst mal das Interesse an Bildung zu wecken.“

Mit von der Partie ist auch Gerhard Prange, der den jungen Insassen erläutern wird, welche Kräfte Wörter bei ihm entfesselt haben, als er im Erwachsenenalter begonnen hat, Lesen und Schreiben zu lernen. Er ist einer von 7,5 Millionen Erwachsenen in Deutschland - 14,5 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung - , die nicht ausreichend Lesen und Schreiben können, davon leben ca. 320.000 in Berlin. Ihnen fällt es schwer, Verträge zu lesen und zu verstehen, Bewerbungen zu schreiben oder sich an fremden Orten zu orientieren. Aus Scham vermeiden sie Situationen, in denen sie lesen und schreiben müssen.

Funktionaler Analphabetismus ist zwar kein gefängnisspezifisches Thema, in einer Justizvollzugsanstalt ist es jedoch besonders schwierig, seine Lese- und Schreibprobleme zu verheimlichen: Anträge für Besuche, Gespräche, medizinische Untersuchungen und sportliche Aktivitäten müssen von den Gefangenen per Antrag schriftlich eingereicht werden.

„Im Grundbildungskurs finden sie Hilfe, die auch auf die Zeit nach der Haft vorbereitet“, so Ute Gastinger, Lehrerin der JSA: „Lesen und Schreiben spielen für die Resozialisierung eine bedeutende Rolle! Deshalb finde ich das Angebot so wichtig!“

Kontakt:
Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V.
Projekt RAUS
Tim Tjettmers (Projektleiter)
Berliner Platz 8-10
48143 Münster
Tel.: (0251) 490996-41
E-Mail: t.tjettmers@alphabetisierung.de
Internet: www.raus-blick.de

Jugendstrafanstalt Berlin
Klaus-D. Vogel (Schulleiter)
Friedrich-Olbricht-Damm 40
13627 Berlin
Tel.: (030) 90144-2514/2552
E-Mail: klaus.vogel@jsa.berlin.de
Internet: www.jugendstrafanstalt-berlin.de

Redaktionskontakt: schuster@dipf.de