Bericht

AMIRA - Leseförderung online

28.05.2014

Kostenfreies Internetprogramm für Kinder mit Förderbedarf




Logo des Programms
Logo des Programms
© Elisabeth Simon-Pätzold
Das Leseförderprogramm AMIRA präsentiert unter www.amira-pisakids.de Geschichten für Erstleserinnen und Erstleser als virtuelle Büchlein in fünf Sprachen - Deutsch, Türkisch, Russisch, Italienisch und Arabisch. Zielgruppe des kostenlosen Angebotes sind Kinder mit besonderem Förderbedarf, insbesondere Kinder, die Deutsch als zweite Sprache lernen. Sie können sich die Geschichten anhören oder selbst lesen. Zu jeder Geschichte gibt es Spiele, die zum genauen Lesen motivieren sollen, z.B. das Artikelspiel, das Quiz, die Suchbilder, das Geräusche-Memo und die Bingopläne. AMIRA wurde im Rahmen des Entwicklungsprogramms für sichere und qualitätsvolle Internetseiten „Ein Netz für Kinder“ vom Staatsminister für Kultur und Medien gefördert. Elisabeth Simon-Pätzold, die Autorin von AMIRA, beschreibt im folgenden Beitrag, Aufbau und Nutzungsmöglichkeiten des Programms.

Die Zielgruppe
AMIRA ist ein interaktives Programm zur Leseförderung für Leseanfängerinnen und -anfänger. Es hat Kinder im Blick, die Deutsch als zweite Sprache lernen und die durch ihr Herkunftsland einen weiteren kulturellen Hintergrund haben. Bei diesen Kindern können offensichtliche oder versteckte Sprachdefizite vorhanden sein. AMIRA kann aber auch alle anderen Leseanfängerinnen und -anfänger motivieren und ist in allen Leseübungssituationen eingesetzbar.

Lesestufen
AMIRA bietet 40 Lesegeschichten in drei Lesestufen als virtuelle Büchlein im Format DIN A 6 an. In der gelben Stufe findet man Geschichten von 60 bis 150 Wörtern. Die blaue Stufe erweitert den Umfang auf 500 Wörter. Die grüne Stufe umfasst 500 bis 1200 Wörter. Die Lesestufen sind altersneutral und beziehen sich ausschließlich auf die Lesefertigkeit des Kindes. Die Altersunabhängigkeit gewährleistet AMIRA durch die Wahl von Themen, die auf keinen Fall an ein bestimmtes Alter gebunden sind.

Vielfältige Lesehilfen für Zweitsprachenlerner

Textentlastung: Die Texte sind alle sprachlich und grammatikalisch entlastet. Sie sind durchweg stark redaktionell bearbeitet, damit Kinder mit erwarteten Defiziten flüssig und verstehend lesen können.

Illustrationen: Mit außerordentlicher Sorgfalt und höchsten Qualitätsansprüchen wurden alle Geschichten reich illustriert. Sachverhalte, die eventuell unverständlich sein könnten, wurden bildlich dargestellt. So versteht das lesende Kind ohne weitere Erklärung, worum es geht.

Hörversion: Alle Geschichten werden im Netz in deutscher Sprache vorgelesen. Das Lesetempo ist so langsam, dass Kinder den Text dazu mitlesen können. Auch dies ist eine enorme Hilfe zum Verständnis.

Mehrsprachigkeit: Alle Texte sind in 4 bis 5 Sprachen übersetzt worden, und zwar in die häufigsten Migrantensprachen: Türkisch, Russisch, Italienisch und Arabisch. Man kann mit einem Mausklick zum Beispiel von der deutschen in die türkische Sprache wechseln und kann so vergleichen, wenn in einer Sprache etwas unverständlich sein sollte.

Themen: Um förderbedürftige Kinder an das Lesen zu gewöhnen und ihnen Freude am Lesen zu vermitteln, muss man neben der Vereinfachung der Texte ganz besonders interessante Themen und Geschichten anbieten. Alle Texte müssen Kinder etwas angehen! Das Produktionsteam hat sich außerordentlich viel Mühe gemacht, solche Themen und Geschichten zu kreieren oder zu finden. AMIRA bietet nun eine Sammlung von Geschichten aus folgenden Themenbereichen: Alltagsgeschichten aus dem Kinderleben, Geschichten aus der Zeitung und vom Sport, Sachgeschichten, Großelterngeschichten, Märchen und Sagen, komische Geschichten und Nonsens.

Spiele: Leseanfängerinnen und -anfänger müssen mit den gelesenen Texten umgehen und handeln. Deshalb wurden 7 attraktive und auf bekannten Formaten aufbauende Spielformate entwickelt, die jeweils für alle Geschichten inhaltlich angepasst worden sind. Viele dieser Spiele können mit mehreren Kindern gespielt werden. Die Quartett-Spiele, die sich immer auf 8 Lesehefte beziehen, liegen in gedruckter Form vor und können über die Website bezogen werden.

Internationalität der Geschichten bezüglich der Handlungsorte, Personen und Themen. Für Kinder mit multikulturellem Hintergrund ist es außerordentlich wichtig, dass sie auch Texte zum Lesenlernen bekommen, die ihren eigenen Kulturkreis betreffen. Das motiviert unglaublich. Die AMIRA-Geschichten handeln in mindestens 15 verschiedenen Ländern, mit Namen und Personen aus unterschiedlichsten Sprachräumen.

Darbietungsform/Multimedia
Im Programm werden ca. 40 Geschichten als virtuelle Büchlein zum Umblättern präsentiert. Man kann sich jede Geschichte auf Deutsch vorlesen lassen. Die Texte sind seitenkompatibel eingelesen. Man kann auch von jeder Seite aus in die anderen Sprachen wechseln. Als multimediales Angebot bietet AMIRA die Geschichtenhefte außerdem in gedruckter Version an. Die gedruckten Büchlein können parallel oder völlig unabhängig vom Programm eingesetzt werden, z.B. vormittags im Klassenraum.

Mehrsprachigkeit
Für die beschriebene Zielgruppe wurden vier Fremdsprachen ausgewählt: Türkisch, Russisch, Italienisch und Arabisch. Demnächst soll noch Englisch dazukommen, damit weitere Migrantengruppen das Programm nutzen können.
Die Mehrsprachigkeit ist den Initiatoren des Programms wichtig, weil so der zusätzlichen Fertigkeit zweisprachig aufwachsender Kinder eine besondere Wertschätzung entgegengebracht werden kann. Zweisprachig aufwachsende Kinder sollen ganz gezielt zum Lesen in ihrer Muttersprache motiviert werden, denn so ist es möglich, auch ihre Eltern mit einzubeziehen. Sie können nun mitlesen und verstehen, was ihre Kinder lesen und werden so vielleicht zum Vorlesen angeregt.

Hörseite
Die Hörseite wurde eingerichtet, um Kindern auch den Genuss von längeren vorgelesenen Geschichten anbieten zu können. Kinderbuchautorinnen und -autoren haben dem Projekt Geschichten geschenkt, die professionell gelesen werden. Andere Geschichten wurden nacherzählt und gelesen. Diese Reihe von unterschiedlichen Hörgeschichten wird locker fortgesetzt.

Elternseite
Diese Seite enthält alles Wissenswerte über AMIRA. Insbesondere Lesehelferinnen und -helfer, Eltern sowie Lehrerinnen und Lehrer finden hier Tipps für den Einsatz des AMIRA-Programms und eine Zusammenstellung von Buchtipps mit ausführlichen Rezensionen ausgewählter Bücher der Kinderliteratur. Auch diese Sammlung soll stetig erweitert werden.

Nutzung des Programms
AMIRA ist konzipiert für den offenen Bereich der Grundschule. Die gedruckten Hefte könnten im Vormittagsbereich im Klassenraum verfügbar sein und dort in freien Situationen zum Lesen anregen. Im Betreuungsbereich könnten die Kinder dann am PC lesen und spielen. AMIRA ist ideal für alle Fördersituationen in der Einzelförderung oder in kleinen Gruppen. Es eignet sich als Projektmedium und als Hilfe für Lesepatinnen und -paten. Es ist sehr gut denkbar als Geschenk für Kinder, die gerade lesen lernen und für die Leseecke in Bibliotheken oder in sozialen Einrichtungen.

Kostenloser Zugang – AMIRA für alle nutzbar
AMIRA wurde innerhalb des Netzwerkes „Ein Netz für Kinder“ entwickelt und gefördert und ist frei und offen für jedermann nutzbar. Die finanzielle Förderung kommt vom Staatsminister für Kultur und vom Familienministerium. Planung, Konzeption und Redaktion liegen bei Elisabeth Simon-Pätzold.
Die Hefte in gedruckter Form sowie die Quartette sind kostenpflichtig und können über die Website bestellt werden.

Autorin: Elisabeth Simon-Pätzold

Über die Autorin:
Elisabeth Simon-Pätzold entwickelte das Konzept des AMIRA-Internetprojekts und organisierte die gesamte Produktion. Sie schrieb, sammelte und redigierte die Texte und erzählte volkstümliche Stoffe neu. Frau Simon-Pätzold studierte Germanistik, Kunst und Psychologie und arbeitete viele Jahre als Real- und Grundschullehrerin. Seit mehr als 40 Jahren beschäftigt sie sich intensiv mit Kinderliteratur und mit dem Thema Leseförderung, insbesondere mit der Förderung von Migrantenkindern und Kindern, die Deutsch als zweite Sprache lernen. Seit 2012 ist Frau Simon-Pätzold Mitglied des Vorstandes des Arbeitskreises für Jugendliteratur (AKJ).

Kontakt: info@amira-pisakids.de

Redaktionskontakt: schuster@dipf.de