Bericht

Deutscher Lesepreis 2013

09.10.2013

Auszeichnung herausragender Leseförderprojekte




Preisträger, Initiatoren und Stifter des Deutschen Lesepreises 2013
Preisträger, Initiatoren und Stifter des Deutschen Lesepreises 2013
© Stiftung Lesen / Luca Abbiento
Am 7. Oktober wurde in Berlin zum ersten Mal der Deutsche Lesepreis verliehen. Die Resonanz auf die Ausschreibung hatte die Erwartungen der beiden Initiatoren - Stiftung Lesen und Commerzbank-Stiftung - weit übertroffen. Insgesamt waren 249 Bewerbungen eingereicht worden, von denen die Jury zunächst 34 besonders herausragende Projekte für den Preis nominiert hatte. Aus der Shortlist wählte die Jury acht Preisträger in drei Kategorien aus: „Ideen für morgen“, „Herausragendes individuelles Engagement“ und „Herausragendes kommunales Engagement“. Die Gewinner des ebenfalls im Rahmen des Deutschen Lesepreises verliehenen Wissenschaftspreises wurden vom Institut für Lese- und Medienforschung der Stiftung Lesen für die Kategorien „Lesbare Wissenschaft“ und „Wissenschaft des Lesens“ ausgewählt.

Der Deutsche Lesepreis ist insgesamt mit Preisgeldern in Höhe von 23.000 Euro dotiert und steht unter der Schirmherrschaft des Präsidenten der Kultusministerkonferenz Stephan Dorgerloh, Kultusminister des Landes Sachsen-Anhalt. „Die Stärkung der Sprach- und Lesekompetenz von Kindern und Jugendlichen ist ein zentraler Aufgabenschwerpunkt der Kultusministerkonferenz“, erklärt Minister Dorgerloh. „Ich begrüße daher die Initiative der Stiftung Lesen und der Commerzbank-Stiftung mit dem Deutschen Lesepreis neue Ideen und herausragende Initiativen nicht nur zu ehren, sondern auch zu fördern. Sie werden so befähigt, sich weiterzuentwickeln und weitere Impulse für die Leseförderung und Lesebegeisterung zu setzen.“

„Die Vielzahl an Bewerbungen aus ganz unterschiedlichen Bereichen zeigt, wie bunt und vielfältig Leseförderung in Deutschland ist“, betont Dr. Jörg F. Maas, Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen. „Dieses Signal macht Mut für die Zukunft: Denn nur, wenn sich alle gemeinsam für das Lesen stark machen, können wir neue Zugänge für das Lesen und so eine wichtige Grundlage für Bildungsfähigkeit, Erfolg in Schule und Beruf sowie gesellschaftliche Teilhabe schaffen. Daher rufen wir alle dazu auf, sich weiterhin für die Leseförderung zu engagieren.“

Sonderpreis „Ideen für morgen“
Der mit 6.000 Euro dotierte Sonderpreis der Commerzbank-Stiftung „Ideen für morgen“ geht an das Helene-Lange-Gymnasium in Dortmund. Das Projekt „Im Sog von Wort und Bild - Zum Einsatz von Graphic Novels in der Leseförderung“ knüpft in Theorie und Praxis an die Schülerinteressen an: Graphic Novels erzählen komplexe Geschichten in Comic-Form und sprechen durch die kreative Gestaltung und die Kombination von Wort und Bild auch diejenigen an, die sonst weniger gerne lesen. Mit dem Projekt sollen vor allem Schüler in der Mittelstufe (Klassenstufen 8 bis 10) zum Lesen motiviert werden. Ziel ist es, so dem pubertären Leseknick zu begegnen und für neue Formen der Literaturaneignung zu werben.
Astrid Kießling-Taþkýn, Geschäftsführerin der Commerzbank-Stiftung, über das ausgezeichnete Projekt: „Mit dem Graphic-Novel-Projekt des Helene-Lange-Gymnasiums zeichnen wir eine Initiative aus, die den Schülerinnen und Schülern beispielhaft die Freude am Lesen vermittelt. Die neue Literaturform der Graphic Novels bedient sich der Sprache und Erfahrungswelt der Jugendlichen. Aus eigener Motivation heraus erschließen sie sich über ihre Lesekompetenz einen Schlüsselfaktor, der ihnen den Zugang auch zur kulturellen Bildung erleichtert. Gleichzeitig erleben sie hautnah, dass sich das literarische Erbe nicht nur aus der Vergangenheit definiert, sondern neue, in die Zukunft gerichtete Ideen integriert.“

Herausragendes individuelles Engagement
In der Kategorie Herausragendes individuelles Engagement, gefördert von der Nele Neuhaus Stiftung und der PricewaterhouseCoopers-Stiftung, erhielt Heike-Anna Grunewald von der Dr. E. A. Langner-Stiftung den ersten Preis (dotiert mit 2.000 Euro) für ihr Engagement für die Hamburger Märchentage, eine jährlich stattfindende Veranstaltungsreihe mit 70 bis 90 Einzelveranstaltungen für Kinder zwischen 3 und 14 Jahren.
Der zweite Preis (dotiert mit 1.500 Euro) geht an Beate Kabisreiter, Lehrerin am Max-von-Laue Gymnasium Koblenz, die an der Schule mit großem persönlichem Einsatz zahlreiche unterschiedliche Leseförderprojekte umsetzt.
Den dritten Preis (dotiert mit 1.000 Euro) teilt sich Dr. Rita Mielke vom Sommer-Lese-Festival „Korschenbroich liest“ mit Sabine Thomas und Andreas Hoh vom Krimifestival München. Beide etablierten Veranstaltungsreihen machen auf unterschiedliche Art und Weise Lesen lebendig und sprechen so ein breites Publikum an.

Herausragendes kommunales Engagement
Sieger in der Kategorie Herausragendes kommunales Engagement, gefördert von FRÖBEL e.V, ist die Stadtbücherei Neuenrade. Für die Gründung eines „Zelius“ (Zentrum für Lesen, Integration und Sprache) für ganzheitliche Leseförderung, das sich besonders an Menschen mit Migrationshintergrund wendet, wird sie mit dem Preisgeld in Höhe von 2.000 Euro ausgezeichnet.
Den zweiten Preis (dotiert mit 1.500 Euro) in dieser Kategorie erhält die Stadtbücherei Lampertheim für ihr bundesländerübergreifendes Bibliotheksangebot „Lesen im kleinen Dreieck“.
Der dritte Preis (dotiert mit 1.000 Euro) geht an die Buxtehuder Stadtbibliothek, die bei ihren Projekten „Rucksackbibliothek“ und „Buxtehuder Kälbchen“ die Zielgruppe Kindergartenkinder auf vorbildliche Art und Weise aktiv einbindet.

Wissenschaftspreis
Unter dem Dach des Deutschen Lesepreises wurde außerdem der von der Jürgen Moll Stiftung geförderte Wissenschaftspreis vergeben. In der Kategorie „Lesbare Wissenschaft“ (dotiert mit 5.000 Euro) wurde Prof. Dr. Walter Krämer ausgezeichnet, der durch Werke wie „So lügt man mit Statistik“ wesentlich zur „Lesbarkeit“ vor allem von Statistik beigetragen hat.
In der Kategorie „Wissenschaft des Lesens“ (dotiert mit 3.000 Euro) geht der Preis an Christoph Sondag für seine Diplomarbeit am Fachbereich Erziehungswissenschaften der Universität Hamburg mit dem Titel „Analphabet trotz Schule. Quantitative und qualitative Analyse des Zusammenhangs zwischen dem Literalitätsgrad Erwachsener und ihren Erfahrungen während der Schulzeit. Ergebnisse aus der leo. – Level-One-Studie.“


Nominierungen für den Deutschen Lesepreis 2013

10 Nominierungen für den Sonderpreis „Ideen für morgen“

12 Nominierungen in der Kategorie „Herausragendes individuelles Engagement“
  • Ingeborg Anderson, Dr. Irmgard Heidler, Rainer Braune: Mobiles Literatursofa Bobingen – Vorlesestunden und unterhaltsame Informationsvermittlung über Bücher und Lesen an verschiedenen Standorten
  • Bücherei Weibelfeldschule Dreieich (Linda Hein): Jugend-Literatur Dreieich – ein Leseclub für Jugendliche ab 14 Jahren, in dem aktuelle Jugendliteratur gesichtet und bewertet wird
  • BürgerStiftung Hamburg (Henny Meding-Knetter, Ellen von Spanyi, Renate Sienknecht, Inge Petersen): Projekt „LeseZeit“ – ehrenamtliches Vorlese-Netzwerk in verschiedenen Hamburger Stadtteilen
  • Dr. E. A. Langner-Stiftung (Heike-Anna Grunewald): Hamburger Märchentage – jährlich stattfindende Reihe mit 70 bis 90 Einzelveranstaltungen für Kinder zwischen 3 und 14 Jahren
  • Gemeinde- und Schulbücherei Sprendlingen (Heike Walther): Literarische Wanderung für Kinder
  • Realschule Puchheim (Ida Golz): Freizeitprojekt „Lesedetektive“ – Schülerinnen und Schüler gehen der Frage auf den Grund, ob das Lesen verschwunden ist und warum
  • Krimifestival München (Sabine Thomas, Andreas Hoh): eines der größten internationalen Festivals für Kriminalliteratur
  • Max-von-Laue-Gymnasium Koblenz (Beate Kabisreiter): Umsetzung verschiedener schulischer Projekte zur Förderung des Lesens
  • Dr. Rita Mielke: Sommer-Lese-Festival „Korschenbroich liest“ mit 16 bis 18 einzelnen Veranstaltungen rund um das Lesen
  • Pestalozzi-Schule Baiertal (Torsten Hirschberger): Baiertaler Cooltour – eine Schülertext-Anthologie macht aus Schreibern (Vor)-Leser
  • Stadtbücherei Hilchenbach (Doris Bahr, Edith Schmitt): Kreative Vorlesestunden für Kinder ab vier Jahren
  • Stadtmission Nürnberg-Jugendmigrationsdienst (Jürgen Lange): Projekt Lesewerkstatt – „Junge Migranten werden zu ehrenamtlichen Vorlesern“

12 Nominierungen in der Kategorie „Herausragendes kommunales Engagement“
  • Bücherei Husby e.V.: Einrichtung einer Bücherei durch ehrenamtlich Engagierte
  • Buxtehuder Stadtbibliothek: „Rucksackbibliothek“ und „Buxtehuder Kälbchen“ mit aktiver Einbindung der Zielgruppe Kindergartenkinder
  • Ernst-Abbe-Bücherei Jena: Veranstaltungsreihen „Vorhang Zu“ und „Biboknirpse“ - Lesefrühförderung und Weiterbildung der Vorleser
  • Förderverein der Stadtbücherei Coesfeld e.V.: Verschiedene aufeinander aufbauende Leseförderungsprojekte für Kinder und Jugendliche
  • Kommunales Integrationszentrum Solingen: „Besuch für Dich!“ – Kinder und Jugendliche als Vorleser im Seniorenheim
  • Museen der Stadt Dresden: Projekt „Lesestark!“ – Verbindung von Museumsbesuch und Leseförderung
  • Öffentliche Bücherei Münster: Lesepatenprojekt „Lies dich fit – wir machen mit“ für Kinder mit besonderen Leseschwierigkeiten (z.B. Legasthenie oder Migrationshintergrund)
  • Stadtbücherei Lampertheim: bundesländerübergreifendes Bibliotheksangebot „Lesen im kleinen Dreieck“
  • Stadtbücherei Neuenrade: Gründung eines „Zelius“ (Zentrum für Lesen, Integration und Sprache) für ganzheitliche Leseförderung, auch besonders für Menschen mit Migrationshintergrund
  • Stadtbücherei Wertheim: „Doppelter Lesespaß - Zweisprachige Vorlesestunden in Kindertageseinrichtungen“
  • Stiftung Jugendfußball: Kids Corner in der Stadionzeitung des SC Paderborn 07
  • Unternehmer/-innen für die Nordstadt e.V., Wuppertal: Vorlesetag mit zahlreichen ungewöhnlichen und mehrsprachigen Vorleseaktionen im Stadtteil

Kontakt:
Esther Dopheide
Pressesprecherin Stiftung Lesen
Römerwall 40
55131 Mainz
Tel.: (06131) 2 88 90 - 36
E-Mail: esther.dopheide@stiftunglesen.de
Internet: www.stiftunglesen.de

Beate Schlosser
Pressesprecherin Commerzbank-Stiftung
Kaiserstraße 16
60311 Frankfurt am Main
Tel.: (069) 136 - 22137
E-Mail: beate.schlosser@commerzbank.com
Internet: www.commerzbank-stiftung
Redaktionskontakt: schuster@dipf.de