Bericht

„Die kleinen Zeitbegleiter“ der Brüder-Grimm-Grundschule

12.04.2012

Berliner Schülerinnen setzen sich mit aktuellen Themen auseinander




© buntmacher.com
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Einmal in der Woche treffen sich „Die kleinen Zeitbegleiter“, elf Schülerinnen der Brüder-Grimm-Grundschule in Berlin, mit Projektleiterin Katrin Schwertner, um über aktuelle Themen zu diskutieren. Im Mittelpunkt der Presseschau steht jeweils ein Ereignis, das in der vorangegangenen Woche in den Medien besondere Aufmerksamkeit erregte - der Rücktritt des Bundespräsidenten z.B. und in diesem Zusammenhang die Frage, was die elfjährigen Mädchen tun würden, wenn sie Präsidentinnen wären. Assoziationen und Bilder, die bei der Besprechung aktueller Themen und Zeitungsberichte in den Köpfen der Kinder entstehen, werden anschließend zu Papier gebracht und mit Sprechblasen bzw. Erläuterungen versehen. „Jedes der Mädchen hat bereits eine individuelle Ausdrucksweise und Art, die Informationen zu reflektieren und umzusetzen. Es ist für mich immer wieder eine Bereicherung, ihre Antworten auf meine Fragen, ihre ganz persönlichen Meinungen zu den verschiedensten Themen zu hören, zu lesen und zu betrachten“, berichtet Kathrin Schwertner. Jeder Kurstermin wird von ihr schriftlich und bildnerisch dokumentiert. Zum Abschluss des Projektes soll daraus eine Art Dokumentation des Jahres 2012 in Form einer Broschüre entstehen.

Am 10. Kurstag entstand nach einem Gespräch über die Leipziger Buchmesse und ihre Besucher die Idee, selbst eine Geschichte zu erfinden und zu illustrieren. Die Schülerinnen wurden aufgefordert, einen ersten x-beliebigen Satz zu formulieren, dem die nächsten dann sofort folgten: „Äh,äh....Es war einmal ein Nilpferd!....“
Aber lesen Sie selbst, was für eine schöne Geschichte daraus geworden ist:



Das Waldmädchen, © buntmacher.com
Das Waldmädchen, © buntmacher.com


Zuerst möchte ich mich vorstellen: Ich bin das Waldmädchen und lebe einfach so in der Natur. Die Tiere können mich nicht sehen, denn meine Haare und Kleider sind aus Zweigen, Gras und Blättern. So kann ich die Tiere unbemerkt beobachten und ihre Geschichten für euch sammeln.

Die Geschichte vom Nilpferd Tom
Es war einmal ein Nilpferd. Und das hieß Tom. Tom war ein hübsches Nilpferd – immer höflich, freundlich, sauber und hilfsbereit zu allen anderen Tieren. Eines Tages ging Tom in den Waldtümpel baden.

Alle lachen über Tom. © buntmacher.com
Alle lachen über Tom. © buntmacher.com
Und plötzlich fing es an, ihn überall zu jucken. Er kratzte und schrubbte sich, aber es wurde nicht besser und als er ans Ufer kam, war sein ganzer Nilpferdkörper übersäht mit dicken roten Pickeln. „Iiiiiiiih!“ - „Wie sieht der denn aus!“ - „Der sieht ja aus wie eine Pickelbombe!“, kreischten und lachten die Vögel, die über Tom hinwegflogen, und ließen frech ein paar Kleckse fallen.
Eine wilde, struppige, schwarze Katze und ein Löwentier machten sich lustig über Tom und zeigten mit den Tatzen auf ihn. „Pickelmonster!“, riefen sie, - „Ja, genau!“ „Aber ich bin doch Tom, euer Freund!“, rief das Nilpferd und kratzte sich überall. Tom war traurig. Plötzlich gingen ihm alle aus dem Weg oder machten sich über ihn lustig.

Tom wurde immer trauriger und konnte sich bald selbst nicht mehr leiden. Er traute sich nicht mehr, den anderen in die Augen zu blicken, so hässlich fand er sich selbst. „Wenn alle anderen sagen, dass ich so hässlich bin, dann muss es ja wohl stimmen!“ dachte er. Ein Schwein grunzte Tom an: „Wie kannst Du nur so hässlich sein?!“

Ein Nilpferd mit Pickeln! © buntmacher.com
Ein Nilpferd mit Pickeln! © buntmacher.com
Weil Tom sich nicht mehr verteidigen konnte, nahmen ihn plötzlich Frauen in Schutz, die gerade durch den Wald spazierten. Sie schimpften das Schwein wütend aus: „Du Schwein, wir können das auch zu dir sagen!“ - “Du hässliches Ding!“ - “Wie hässlich bist Du denn? Du siehst aus wie ein Schwein!“ Da grunzte das Schwein und war spachlos. Die Frauen bedauerten das arme Nilpferd. „Du bist so süß!“, sagten sie und: „I love you!“ Da ging es Tom schon ein bisschen besser. Denn Mitgefühl tut sehr gut. Plötzlich erschrak Tom. Ein Nashorn stellte sich ihm in den Weg und brüllte vor Lachen: „Da stell ich mich ja auf die Hinterfüße! Ein Nilpferd mit Pickeln!“ Jetzt weinte Tom. Hörte das denn nie auf?



Der Elefant tröstet. © buntmacher.com
Der Elefant tröstet. © buntmacher.com
Aber dann vernahm er eine vertraute Stimme, die ihn tröstete: „Mach dir nichts draus!“, sagte sein Freund, der Elefant. „Weisst du, achte nicht auf dein Aussehen, sondern auf das Innere! Wichtig ist, ob dein Herz am rechten Fleck sitzt. Nur das zählt! Ich mag dich, mit oder ohne Pickel!“ Und dann flüsterte der Elefant dem Nilpferd Tom etwas ins Ohr. Beide kicherten und verschwanden im Gebüsch. Kurze Zeit später waren sie wieder da und Tom hatte sich auf wundersame Art verwandelt.



Nilpferd Tom, © buntmacher.com
Nilpferd Tom, © buntmacher.com
Er strahlte und war einfach nur stolz. Da waren sie zwar noch die dicken roten Pickel, aber nun war jeder einzelne von ihnen etwas ganz Besonderes! Alle Tiere drehten sich plötzlich neugierig nach Tom um, aber keiner lachte ihn mehr aus. „Schick sieht er aus!“ - „Das ist die neueste Mode!“ - „Wo kann man das denn machen lassen?“ - “Ich will auch so aussehen!“

Ja, und die Moral von der Geschichte? Schäme dich nicht für deine Schwächen, sondern mache aus ihnen Stärken. Wenn du selbst an dich glaubst, dann glauben auch die anderen an dich.

Viele Grüße - euer Waldmädchen!


Das Projekt „Die kleinen Zeitbegleiter“ - eine Kinderpresseschau
Kathrin Schwertner/buntmacher.com trifft sich seit Januar 2012 viermal im Monat mit einer Gruppe elfjähriger Schülerinnen der Brüder-Grimm-Grundschule, um eine aktuelle Zeitungsschau durchzuführen. Aktuelle Nachrichten werden auf sehr persönliche Art beleuchtet. Jeder Gedanke ist erlaubt und wird gemeinsam betrachtet. Auf diese Weise wird das ganze Jahr 2012 durchlebt, beobachtet, besprochen. Bei den Schülerinnen soll das Interesse an der aktuellen Entwicklung unserer Gesellschaft geweckt werden, Interesse an dem, was um sie herum geschieht und in irgendeiner/welcher? Form auch immer sie selbst betrifft.
Das Gerücht vom bevorstehenden Weltuntergang, der nach den Berechnungen der Maya am 21. Dezember 2012 stattfinden soll, bildet im Projektjahr 2012 den Aufhänger für die Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen. Bei den Treffen werden die Schülerinnen dazu angeregt, sich mit folgenden Fragen zu beschäftigen:

  • Was hat es für uns persönlich auf sich mit diesem Jahr?
  • Wie werden wir es leben und erleben?
  • Was hat Politik mit uns zu tun und wir mit Politik?
  • Welche Themen in der Zeitung interessieren mich besonders?

Bei jedem Kurstermin fertigen die Schülerinnen Illustrationen zum jeweiligen Thema an, die dann nach dem bewährten buntmacher.com-Prinzip professionell coloriert und gelayoutet werden. Zum Abschluss des Projektes entsteht eine Art Dokumentation des Jahres 2012 in Form einer einzigartigen Broschüre, die an den Beginn des Projektes erinnert und gleichzeitig einen „Zeitsprung“ dokumentiert. Ist die Welt nun untergegangen? Und wenn ja welche? Und am allerwichtigsten: Welche Welt ist 2012 für uns aufgegangen....?

Ausgewählte Dokumentationen
06. Kurstag - Thema: Rücktritt des Bundespräsidenten
09. Kurstag - Thema: Wir leben in einer Überfluss- und Wegwerfgesellschaft
10. Kurstag - Thema: Die Leipziger Buchmesse
11. Kurstag - Thema: Freiheit
12. Kurstag - Thema: Osterspaziergang
13. Kurstag - Thema: Geld regiert die Welt
14. Kurstag - Thema: Wahlen
15. Kurstag - Thema: Mein Herzenswunsch
16. Kurstag - Thema: Umgang mit Kummer, Angst und Trauer

Kontakt:
Brüder-Grimm-Grundschule
Tegeler Str. 18 - 19
13353 Berlin
Tel.: (030) 453 084 0
E-mail: bggs-berlin@web.de
Internet: www.brueder-grimm.cidsnet.de/

Kathrin Schwertner
Winterfeldtstraße 8
10781 Berlin
Tel.+Fax: (030) 21996050
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